Im Oktober 2019 tötete Stephan Balliet in Halle zwei Menschen und verletzte mehrere schwer, bevor er gestellt und verhaftet wurde. Bei seinem Anschlag nutzte er auch im Do-it-yourself-Verfahren gebaute Waffen. Diese hatten - zum Glück - immer wieder Ladehemmungen. Das wäre heute wohl anders: Denn die Entwicklung ging weiter.
Waffenexperte Jörg Sprave sagt in der ARD-Doku: "Waffen aus dem 3D-Drucker - Klicken, drucken, schießen": "Mit dem "FGC-9" hätte der eine viel schlimmere Tragödie angerichtet."
Die Doku von Anja Wisdell und David Donschen (am Mittwoch, 22. Juli 2026, 22:50 Uhr im Ersten und dann für zwei Jahre in der ARD Mediathek) rückt diese Waffe in den Mittelpunkt. Der Name FGC-9 steht für "F..ck Gun Control 9 Millimeter", zu Deutsch: "Zum Teufel mit der Waffenkontrolle".
"Es reicht, sich Anleitungen aus dem Netz runterzuladen"
Bauanleitungen finden sich im frei zugänglichen Internet, es ist nicht mal das Darknet nötig. Und wenn man die Pläne hat, ist es kein Hexenwerk. Denn die Mehrzahl der Waffenteile lassen sich aus Plastik im 3D-Drucker herstellen, lediglich ein paar Teile (etwa der Lauf) sind aus Metall - aber ganz normal im Baumarkt zu erhalten. Natürlich ist das gesetzlich verboten. Aber bei den DIY-Waffen gibt es keine Seriennummern - und schon ist die "Ghost Gun" fertig und unauffindbar.
Waffensachverständiger Jörg Sprave durfte die FGC-9 Waffe offiziell nachbauen - und brauchte drei Tage. Sein Fazit: "Versierte Bastler schaffen das locker." Romy Arnold von "Mobit" sagt in der Doku: "Dass es reicht, sich Anleitungen aus dem Netz runterzuladen, ist Besorgnis erregend."
Auch hierzulande gilt die Waffenbastlerszene als "Wachstumsmarkt", schon seit über zehn Jahren. Bei einer Razzia wurde 2022 in Eisenach bei einer rechtsextremistischen Gruppierung eine fast fertig gedruckte Waffe gefunden. Stephan Kramer vom Verfassungsschutz Thüringen: "Ich denke schon, dass man den Willen hatte, die Waffe auch einzusetzen." Denn es wurde auch Munition gefunden.
"Die Büchse der Pandora ist geöffnet"
Wie viele Waffen es mittlerweile in Deutschland oder Europa gibt, weiß niemand. Terrorismusexperte Rajam Basra ist sich aber sicher: "Es gibt genügend Waffenenthusiasten. Und egal, wie viele wir verhaften - es ist unmöglich, alle zu stoppen." Er wolle keine Panik schüren, aber: "Wir wissen, Extremisten versuchen verstärkt Waffen aus dem 3D-Drucker herzustellen - und nicht aus friedlichen Gründen."
Auch Leon Kerbergen von Interpol zeichnet kein schönes Bild: "In fast allen Ländern wurden schon 3D-gedruckte Waffen gefunden. Immer mehr haben zu Bauanleitungen Zugang - und bedeuten eine Gefahr für die Öffentlichkeit."
Was unternimmt die Politik? Bislang wenig. Das Bundesinneministerium wartet auf die EU und plant keine kurzfristigen nationalen Maßnahmen. Für Sprave eine Taktik, die nicht funktionieren werde: "Die Büchse der Pandora ist geöffnet und jeder Versuch, sie wieder zu schließen, ist hoffnungslos."
Quelle: teleschau – der mediendienst