Rainer Maria Schießler sorgte schon für einige Schlagzeilen: In seiner katholischen Pfarrkirche St. Maximilian im Münchner Glockenbachviertel segnete er bereits homosexuelle Paare, er kellnerte auf dem Oktoberfest, um Spenden zu sammeln, und hielt schon diverse Viecherlmessen ab. Außerdem lebt Schießler trotz Zölibat in einer Beziehung mit einer Frau. Kein Wunder also, dass die Geschichte des ungewöhnlichen Geistlichen irgendwann den Weg ins Fernsehen fand: Mit "Himmel, Herrgott, Sakrament" widmete der bayerische Kultregisseur Franz Xaver Bogner ("Irgendwie und Sowieso") Schießler 2023 eine Serie. Als Vorlage diente Schießlers gleichnamiges Sachbuch aus dem Jahr 2016. Nun ist die zweite Staffel, bestehend aus sechs Folgen, ab Donnerstag, 2. April, in der ARD Mediathek, sowie in Doppelfolgen an drei aufeinanderfolgenden Freitagen im BR Fernsehen zu sehen.
Pfarrer Reiser gerät privat und beruflich unter Druck
Stephan Zinner schlüpft abermals in die Rolle des von Rainer Maria Schießler inspirierten Münchner Pfarrers Hans Reiser. Und der gerät zu Beginn der zweiten Staffel zunehmend unter Druck: Seine Beziehung zu Lisa Kirchberger (Anne Schäfer) ist Kardinal Georg Brunnenmayr (Erwin Steinhauer) ein Dorn im Auge. Es stört ihn so sehr, dass er Reiser und Kirchberger heimlich überwachen lässt. Doch Reiser lässt sich davon nicht einschüchtern: "Wenn du noch einmal deinen Hausl schickst, damit er mich, also damit er uns fotografiert ohne unsere Erlaubnis, dann zeig ich dich an", droht er. Der Kardinal bleibt hart und stellt Reiser vor ein Ultimatum: entweder er beendet seine Beziehung oder er verliert das Priesteramt!
Die Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, hat Reiser allerdings nicht: Eine katholische Flüchtlingsfamilie aus Syrien sucht Schutz vor der Polizei. Reiser zögert nicht lange und bietet dem schwer kranken Vater, seiner Frau und seiner Tochter in seiner Kirche Asyl ...
Das denkt Stephan Zinner übers Zölibat
Mehr als eine Million Menschen sahen im Schnitt die erste Staffel von "Himmel, Herrgott, Sakrament" im Herbst 2023 und bescherten dem BR Fernsehen in Bayern starke Marktanteile von bis zu 27,9 Prozent. Auch die zweite Staffel dürfte das Publikum überzeugen, kommt sie doch ebenso charmant, leichtfüßig und inspirierend daher.
Hauptdarsteller Stephan Zinner, der kürzlich als Fastenredner auf dem Nockherberg zu sehen war, tauschte sich zur Vorbereitung auf seine Rolle mit dem realen Pfarrer aus: "Er hat eine gute Art, mit den Leuten umzugehen", lobt er im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau: "Natürlich eckt er auch an, dennoch macht er seinen Job gut, finde ich. Deshalb hat das meinen Blick auf den ganzen Apparat gelockert, aber auch geschärft auf Sachen, die nicht gut laufen, die wir aber auch in der Serie ansprechen und die aber auch ganz, ganz, ganz viele gläubige Katholiken genauso kritisch sehen."
Der 51-Jährige denkt dabei vor allem ans Zölibat: "Ich glaube, dazu könnte man sogar in einer bayerischen Gemeinde am Land eine Umfrage machen. Ich höre von den Leuten dort auch immer wieder: 'Ach, hör doch mit dem Zölibat auf! Das ist doch wurst!'" Bestimmt gebe es auch Leute, "die sagen: 'Das muss so sein. Das war schon immer so'", fährt der dreifache Vater fort. Für ihn aber mache das "alles so kompliziert": "Die Abschaffung des Zölibats wäre für mich ein Thema, mit dem die katholische Kirche eine zeitgemäße Normalität schaffen könnte, ohne sich von ihren eigentlichen Grundsätzen abzuwenden."
Die erste Staffel "Himmel, Herrgott, Sakrament" ist in der ARD Mediathek abrufbar und wird am Samstag, 28. März, um 20.15 Uhr, im BR Fernsehen wiederholt.
Himmel, Herrgott, Sakrament - Fr. 10.04. - BR: 20.15 Uhr
Quelle: teleschau – der mediendienst