Wer bei Westeros reflexartig an Drachen, Intrigen und schreckliche Tode denkt, darf tief durchatmen. Das von vielen Fans mit Spannung erwartete Prequel "A Knight of the Seven Kingdoms" ist zwar eindeutig im "Game of Thrones"-Universum verortet, fühlt sich aber an wie ein romantischer Kaminabend nach all den blutigen Schlachten. Mit der Serie hat der gerade gestartete neue Streamingdienst HBO Max ab 19. Januar ein echtes Kleinod im Programm. Schade nur, dass die sechs Episoden nicht auf einmal, sondern im Wochentakt veröffentlicht werden.

Weniger bombastisch, weniger Figuren, weniger Weltuntergangsstimmung: Das "GoT"-Prequel basiert auf George R. R. Martins Romantrilogie "Der Heckenritter von Westeros: Das Urteil der Sieben" und ist ein fast schon friedlicher Gegenentwurf zum Gemetzel der Originalserie. Hier bleibt genug Zeit: für Menschen, für Blicke, für Dialoge - und für Ritterromantik. Man könnte sagen: Es ist die unbeschwerte Ruhe vor dem Sturm, der Jahrzehnte später über Westeros hereinbrechen wird.

Keine Angst vor zu viel Gemetzel

Die Handlung spielt rund 90 Jahre vor der Originalserie und nach den Ereignissen im ersten Prequel "House of the Dragon" - in einer Epoche, in der die Targaryens noch über die vereinten sieben Königslande herrschen. Drachen spielen keine und Machtpolitik nur am Rande eine Rolle.

Im Mittelpunkt steht der Heckenritter Ser Duncan the Tall (Peter Claffey), ein riesiger Mann, der immer etwas unbeholfen wirkt und mit traurigem Gesicht durch die Lande zieht. An seiner Seite: der Junge Egg (Dexter Sol Ansell), der sich ihm als Knappe andient und seinem neuen Herrn mit kindlicher Unbekümmertheit das eine oder andere Mal aus der Patsche hilft, als Ser Duncan bei einem Turnier etwas Geld verdienen will und sich dabei jede Menge Ärger mit dem angesehenen Adel einhandelt.

"A Knight of the Seven Kingdoms" mag eine Game-of-Thrones-Serie sein. Weil sie aber bewusst sanftere und sogar humorvolle Töne anschlägt, muss man keine Angst haben: Die meisten Figuren, die einem schnell ans Herz wachsen, sind auch in der nächsten Episode noch am Leben. Und Vorwissen ist auch nicht vonnöten: Wer "GoT" und "House of the Dragon" gesehen hat, mag das eine oder andere Aha-Erlebnis haben. Aber die neue Ritterserie funktioniert wunderbar als eigenständige Fantasy-Erzählung über Freundschaft, Ehre und das Unterwegssein.

Quelle: teleschau – der mediendienst