Es ist eine merkwürdige Insel, etwa 40 Meilen vor dem Festland von New Jersey: In "Widow's Bay" scheint die Zeit in den 1980er-Jahren stehen geblieben zu sein. Die Einwohner erzählen sich Schauermärchen von Hexen und dem Boogeyman und sind überhaupt ziemlich abergläubisch. Alles Humbug, findet Bürgermeister Tom Loftis (Matthew Rhys) und versucht krampfhaft, dem verschlafenen Ort neues Leben einzuhauchen. Das geht allerdings nicht ohne verstörende Nebengeräusche vonstatten: Die ersten drei von zehn Episoden der fantastischen Horror-Comedy-Serie "Widow's Bay" sind ab 29. April bei Apple TV zu sehen. Danach geht es im Wochentakt weiter.
Wer in "Widow's Bay" wohnt, ist gefangen. Es gibt kaum Handyempfang, aber immerhin ein gut ausgebautes Festnetz. Die Jugend kifft und hat sonst nicht viel zu tun. Und man kommt hier einfach nicht weg. Das ist wörtlich zu nehmen. Die Insel lässt ihre Kinder nicht los. Wer es dennoch versucht, ist ziemlich schnell tot. Das wissen alle, außer Tom Loftis. Der wird das in den zehn Episoden aber noch lernen - gezwungenermaßen.
Schreien und lachen - am besten gleichzeitig
Loftis Lernprozess wird meistens unterstützt von seiner Assistentin Patricia (Kate O'Flynn), dem merkwürdigen Wyck (Stephen Root) und dem örtlichen Gesetzeshüter Bechir (Kevin Carroll). Während sich der Bürgermeister mit unvorstellbaren Schrecken konfrontiert sieht, muss er auch noch versuchen, seinem zunehmend genervten Sohn Evan (Kingston Rumi Southwick) ein guter alleinerziehender Vater zu sein.
Irgendwo zwischen "Der Weiße Hai" und Stephen King-Romanen, zwischen "Der Nebel des Grauens" und den "Goonies" wildert Serienschöpferin Katie Dippold ("Paris and Recreation") in allen erdenklichen Subgenres des Horrors. Mit unbändigem Stilwillen unter anderem von Hiro Murai ("Atlanta") und Ti West ("X", "Pearl", "MaXXXine") inszeniert, vermengt "Widow's Bay" beängstigende Horrormomente mit fantastischer Comedy, ist dabei aber weniger Satire als Drama. Wenn Bürgermeister Loftis versucht, seiner abgehängten Stadt etwas Moderne zu bringen, sich die Einwohner aber vor allem fürchten, weiß man manchmal nicht, ob man schreien oder lachen soll - und macht dann einfach beides gleichzeitig.
Quelle: teleschau – der mediendienst