Immer mehr Menschen heutzutage erreichen ein Alter von hundert Jahren und darüber. Aber wie gelingt ein so langes Leben - und ist das überhaupt erstrebenswert? In der "37°"-Reportage "100 Jahre Leben: Was wirklich zählt" (Dienstag, 14. April, 22.15 Uhr, im ZDF und ab sofort in der ZDF-Mediathek) gibt Helmut eine klare Antwort: "Leute, werdet alt. Die zweite Lebenshälfte ist die weit bessere." Der 100-Jährige verrät, was für ihn ein erfülltes Leben ausmacht.

Seiner Meinung nach käme es nicht auf die Anzahl der Jahre an, "das Wesentliche ist, ob man reift als Mensch und fähig wird, sein Leben zu gestalten und zu genießen", sagt Helmut. Bis er 75 wurde, arbeitete er als Psychoanalytiker. Seitdem spielt er leidenschaftlich gerne Golf und schreibt noch immer Bücher. Sein Geheimnis für ein erfülltes Leben beschreibt er mit den "vier L": Laufen, Lernen, Lachen, Lieben.

Spurlos geht das hohe Alter natürlich auch an ihm nicht vorbei. "Ich muss für alles mehr Zeit einplanen", gesteht Helmut, möchte sich aber auch nicht "dauernd nur aufregen über diesen schrecklichen Körper, der halt einen dauernd nur ärgert. Das muss man mit Würde tragen". Nicht gut sehen zu können sei für ihn "das Schlimmste", denn nicht gut hören zu können sei mit modernen Geräten besser ausgleichbar. Und so könne er nach wie vor am Sozialleben teilnehmen. "Es lohnt sich!"

106-jährige Friedel kann "wegen der Nachrichten" nächtelang nicht schlafen

Friedel ist sogar 106 Jahre alt. Auch sie hat sich ihre positive Sichtweise aufs Leben bewahrt. "Man kann sich ja auch angewöhnen, im Leben immer unglücklich zu sein ... Ich hab' die lächelnde Seite gewählt. Ich glaube, die ist besser", sagt sie in der ZDF-Reportage. Seit zwei Jahren ist Friedel im Seniorenheim. Zuvor reiste sie viel um die Welt, legte viel Wert auf Freiheit und Selbstständigkeit. Entsprechend schwer falle es ihr jetzt, sich dem festen Tagesrhythmus anzupassen und Hilfe anzunehmen.

Viele Jahrzehnte lang war es Friedel gewohnt, unabhängig zu sein. Ihren Mann verlor sie kurz nach der Hochzeit im Zweiten Weltkrieg. Danach heiratete sie nie wieder, zog ihre zwei Söhne alleine groß. In einer Nacht flüchtete sie mit ihnen schließlich aus der DDR.

Auch heute beschäftigt Friedel noch die aktuelle politische Situation. Zum Ukraine-Krieg hat sie eine klare Meinung: "Ich denke, es ist furchtbar. Ich möchte nicht an ihrer Stelle stehen. Ich rege mich furchtbar darüber auf. Ich schlafe manche Nacht nicht wegen der Nachrichten. Die armen Menschen, die leiden doch darunter. Das ist doch grausam."

Das Leben genießen kann die 106-Jährige trotzdem noch immer. Häufig träume Friedel einfach nur vor sich hin, schaue in eine Ecke und denke an alte Erinnerungen - "und das sind dann schöne".

Quelle: teleschau – der mediendienst