"Ich glaube, das wird nichts mehr", lacht Petra, als sie mit ihrem Mann Herbert durch einen Markt in Alanya an der türkischen Mittelmeerküste streift. Was die ehemalige Tanzlehrerin meint: Die türkische Sprache gedenkt die 67-Jährige nicht mehr zu lernen. Aber das müsse sie auch nicht. Mit "Händen und Füßen" komme man auch gut durch, als deutsches Auswandererpaar im "Rentnerglück Türkei".

Diesen Sendetitel trägt die neue ZDF-Reportage nicht von ungefähr. Es sind scheinbar glückselige Menschen, die vor der Kulisse von Buchten und Strandcafés von einem Lebensabend wie aus dem Katalog berichten. "Deutschland ist ernsthaft keine Option mehr", posaunt ein Rentner mit rheinischem Dialekteinschlag im Brustton der Überzeugung.

Petra und Herbert würden den Satz wohl unterschreiben. In die sächsische Heimat zieht es sie nicht mehr. Sie seien jetzt "Weltenbürger". Wie es dazu kam? Der Unterhalt für das Haus in Dresden war dem Ehepaar zu teuer geworden. Vom Verkaufserlös war in Alanya eine 120 Quadratmeter-Wohnung für 180.000 Euro plus Rücklagen drin: "Hier kommen wir mit unserer Rente gut aus."

"30 Eier für 2 Euro - das ist doch ein Wahnsinn!"

Das können auch Sabine (75) und Klaus (73) bestätigen. Während unlängst die Auswanderung eines Rentnerpaares bei "Goodbye Deutschland" (VOX) an der türkischen Hyperinflation zu scheitern drohte, haben die vom ZDF begleiteten Ruheständler offenbar keine finanziellen Sorgen. Trotz der hohen Inflationsrate im Land seien die Preise im Durchschnitt immer noch 50 Prozent unter denen in Deutschland, meint Klaus. Seine Partnerin, die ehemalige Verkäuferin Sabine, freut sich am Frühstückstisch: "30 Eier für 2 Euro - das ist doch ein Wahnsinn!"

Den Schritt in die Türkei haben Sabine und Klaus dennoch nur zur Hälfte gewagt. Sie pendeln quartalsweise zwischen Stralsund und Alanya. Denn: 90 Tage dürfen sie sich am Stück ohne Visum in der Türkei aufhalten. Zu dem Zweck haben die beiden Rentner eine zweite Wohnung neben der in Deutschland gemietet. Vier Zimmer, Bad, sehr großer Balkon, für gerade mal 500 Euro im Monat. "Das ist für 120 Quadratmeter top", jubelt Klaus, ehemaliger Leiter der Stralsunder Berufsfeuerwehr. Sabine hat im Einzelhandel gearbeitet. Jede ihrer Renten finanziert eine der beiden Wohnungen. "Den Luxus gönnen wir uns!", sagt Sabine.

Die Auswanderin gibt zu, gewissen Vorurteile gegenüber einem Leben in der Türkei gehabt zu haben. "Aber ich bin so fasziniert, wie das hier abläuft, die Freundlichkeit, das hatte ich nicht erwartet." Was sie meint, zeigt sich auf einem Ausflugsdampfer. Junge Animateure tanzen während einer "Schaumparty" um die Rentnerin aus Deutschland, die die Zuwendung sichtlich genießt: "Man wird nicht als Alte abgestempelt. Es ist ein befreiendes Gefühl."

Türkei-Auswanderin fand in Deutschland keinen Anschluss mehr: "Jeder hat sein Universum"

Gibt es hier am sonnigen Mittelmeer denn gar keine Schattenseiten? Nun ja: "Bei einer ernsthaften Erkrankung würde ich es vorziehen, in ein deutsches Krankenhaus zu gehen", gibt eine Rentnerin in einem deutschsprachigen Café zu Protokoll. "Einfach weil es hier in den staatlichen Krankenhäusern kein Pflegepersonal gibt."

Manche Exil-Deutsche werden des Lebens am Mittelmeer nach einiger Zeit auch überdrüssig, erfährt man. So ging es Heidi, 78, ehemalige Programmiererin aus Mülheim an der Ruhr. Nach zehn Jahren hatte sie genug von Alanya. "Durch den Ukrainekrieg kamen hier unheimlich viele Russen her. Die Preise sind gestiegen. Da dachte ich, jetzt guckst du mal, wie es in Deutschland ist", erklärt sie in der ZDF-Reportage.

Aber in der fremd gewordenen Heimat fand sie keinen Anschluss mehr: "Ich habe das Gefühl gehabt, jeder hat sein kleines Universum mit Familie, mit Freunden, mit Hobbys, mit Verpflichtungen", beschreibt die Rentnerin ihr Deutschland-Gefühl. "Man kommt nirgendwo rein. Das Leben war auch viel teurer, als ich mir vorgestellt hatte. Nach zwei Jahren habe ich meine Zelte wieder abgebrochen und bin wieder zurück."

Die "ZDF.reportage: Rentnerglück Türkei" läuft am Samstag, 6. Juni, 17.35 Uhr, im Zweiten und ist schon jetzt in der Mediathek zu finden.

Quelle: teleschau – der mediendienst