Alles lief scheinbar glatt: Andreas aus der Schweiz erhielt in der Mittwochsausgabe der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" mit Horst Lichter eine vielversprechende Expertise und reichlich Gebote. Doch dann folgte die überraschende Kehrtwende: Kurz vor dem Abschluss ließ der Verkäufer den Deal platzen und sorgte damit für Gänsehaut im Händlerraum.
Andreas aus Arlesheim in der Schweiz brachte eine Porzellanplastik mit in die Sendung, die viele Jahre in einer Metzgerei ausgestellt war. Als die Filiale geschlossen wurde, erhielt sein Vater als ehemaliger Mitarbeiter die Figur zum Abschied. Nach dessen Tod bewahrte Andreas das Stück bis heute auf.
Dem Experten Colmar Schulte-Goltz zufolge erzählte das handbemalte Porzellan ein Stück europäischer Entstehungsgeschichte: "Den Gründungsmythos des Kontinents." Zu sehen war Zeus, der sich in einen Stier verwandelt hatte, um die phönizische Königstochter Europa zu entführen. Auf seinem Rücken brachte er sie nach Kreta, wo er sie schließlich zur Frau nahm.
Begeisterung im Händlerraum: "Die sieht wirklich gut aus"
Die Plastik trug die Signatur von Carl Nacke, einem renommierten Künstler und Bildhauer aus Hannover, der unter anderem Entwürfe für die erfolgreiche Porzellanfabrik Fraureuth geliefert hatte. Laut der Bodenmarke stammte die Darstellung von Zeus und Europa aus der Zeit zwischen 1915 und 1926. Andreas' Wunschpreis für das Erbstück seines Vaters lag bei 500 bis 600 Euro. Zwar bemängelte der Experte leichte Abreibungen an der Vergoldung der Figur, schätzte den Wert jedoch ebenfalls auf 550 bis 650 Euro. Der Verkäufer zeigte sich erfreut über die Einschätzung und nahm die Händlerkarte dankbar entgegen.
"Die sieht wirklich gut aus", stellte Christian Vechtel als Erster fest, während er das Porzellan genauer begutachtete. Als er den Fraureuth-Stempel entdeckte, zeigt er sich endgültig begeistert: "Sehr schön." Doch auch seine Kolleginnen und Kollegen im Händlerraum interessierten sich für den "prächtigen Stier mit der schönen Frau".
"Wir sind begeistert von der Größe", betonte Vechtel erneut, als der Verkäufer den Raum betrat. "Tolle Darstellung", stimmte Liza Kielon zu, und auch Julian Schmitz-Avila zeigte sich angetan - Europa-Darstellungen seien "immer super". Entsprechend steigerten sich die Gebote Schritt für Schritt: von 200 Euro über 250 Euro bis auf 300 Euro. "Ich finde die richtig schön", wiederholte Schmitz-Avila und setzte schließlich mit seinem letzten Angebot von 600 Euro ein klares Zeichen. Damit war auch die obere Grenze des Wunschpreises erreicht - doch der Verkäufer wirkte zunehmend skeptisch.
"Wir sind Ihnen auch nicht böse ..."
"Das ist ein guter und fairer Preis", so der Verkäufer über das Gebot von Schmitz-Avila. Doch gleichzeitig wurde er sichtlich emotional. "Wenn ich ihn hier so stehen sehe ...", sagte er wehmütig und kämpfte offenbar mit den Tränen: "Es kommen einfach zu viele Erinnerungen hoch, die kann man nicht mit Geld aufwiegen."
"Wir haben definitiv Verständnis für emotionale Werte", versuchte Kielon, den Verkäufer zu beruhigen. "Wir sind Ihnen auch nicht böse, wenn Sie sagen, ich kann mich jetzt doch nicht davon trennen." Der Verkäufer schluckte verunsichert. Aber die ganze Händlerrunde bestätigte ihm: "Das ist vollkommen okay."
"Ich glaube, ich muss auf mein Herz hören", fasste der Verkäufer seinen Entschluss und nahm den Stier wieder mit. Dafür bekam er sogar Applaus, woraufhin er erklärte: "Das zählt für mich jetzt viel mehr." Auch im Nachgang zeigten sich alle bewegt: "Das hat mich wirklich berührt", gestand Wildhagen, und auch Schmitz-Avila "war kurz davor, zu weinen".
Quelle: teleschau – der mediendienst