Um es gleich vorwegzunehmen: Wer denkt, die ausnehmend originelle Serie "Das Manko" sei mit irgendeinem Format der heutigen Fernseh-Unterhaltung vergleichbar, wird eher fassungslos vor diesen viermal 20 bis 25 Minuten sitzen. Und vermutlich schnell abschalten. Die bereits seit 13. Juli in der Mediathek des ZDF verfügbare Miniserie macht so ziemlich alles anders als das, was man normalerweise gewohnt ist. Unter anderem, weil Dialoge quasi keine Rolle spielen. Lineare zeuitg das ZDF die bemerkenswerte Comedy am Montag, 17. August, ab 0.15 Uhr.

Die Physical Comedy - manche nennen sie auch Slapstick - des "Manko"-Ensembles kommt fast ohne Worte aus. Erzählt wird die absurde Reise einer vom Management als unfähig identifizierten Kollegen-Schar eines Großraumbüros. Sie erinnert an Großmeister der Physical Comedy wie Charlie Chaplin, Jerry Lewis und den einzigartigen Franzosen Jacques Tati. Auch wenn der absurde Trip gewöhnungsbedürftig erscheint - er ist mit das Originellste, was deutsche Comedy seit Langem erschaffen hat.

Regisseur Arne Feldhusen lässt die Arbeitswelt offenbar nicht los. Auch wenn sein kongenialer "Stromberg"-Autor Ralf Husmann diesmal nicht von der Partie ist. Wie auch, denn "Das Manko" enthält kaum Dialoge. Lediglich eine Erzählerin (Sophie Rois) teilt Beobachtungen des Kollegen-Ensembles im Sinne einer Tierfilm-Beobachtung, indem sie das Manko - so wird die Gruppe tatsächlich benannt - mit einer Herde vergleicht.

Am Anfang erlebt man das Ensemble unter dem von Bjarne Mädel gespielten (schwachen) Chef, wie es Besuch von Unternehmensberatern erhält. Das spaßfreie Trio in Beige kommt schnell zum Urteil: Diese Abteilung gehört aufgelöst. Durch eine Verwechslung landet das Ensemble statt in der Arbeitslosigkeit jedoch in einem Fortbildungs-Programm für High Performer. Verkörpert im Wortsinne wird das Manko von der Schweizer "Tatort"-Kommissarin Carol Schuler, Jan Krauter, Sarah Bauerett, Annika Meier, Julia Schubert, Amelie Willberg, Florian Anderer, David Simon, Jonas Hien, Christoph Jöde, Sebastian Grünewald und Bastian Reiber.

Beste Gesangsszene des deutschen Serienfernsehens

Auf ihrer Odyssee durch die absurde Welt der Fortbildung und berufsorientierten Selbsterfahrung landet die sprachlose bis kauderwelschende Gruppe in einer Klinik, einem Logistikzentrum und in einem Ausbildungs-Institut, das Engel trainiert. Dabei ergeben sich großartige Szenen, die man einfach mal unvoreingenommen auf sich wirken lassen sollte: So zum Beispiel beim Gedränge in einer gläsernen Raucherkabine, der Schutzengel-Ausbildung mit Höllen-Flair sowie bei der vielleicht besten Gesangsszene in der Geschichte des deutschen Serienfernsehens (Folge drei), die mit einer von Carol Schuler getragenen Musical-Szene im Logistikzentrum endet.

Grandios getextet, mit toller Musik von Carsten Meyer (Erobique) unterlegt und von Arne Feldhusen witzig und klug in Szene gesetzt. "Das Manko" wirkt fast ein bisschen so, als wären Charlie Chaplin, Jerry Lewis und Jacques Tati plötzlich in deutsche Körper gefahren. Auf nationalen und internationalen Festivals hat "Das Manko" bereits für Aufsehen gesorgt. Ist die Fernsehwelt gerecht, sollte dieses Ensemble-Stück, das eine im Mainstream mittlerweile fast verschwundene Facette von Schauspielerei auf höchstem Niveau zeigt, bei dem einen oder anderen wichtigen TV-Preis fürs Jahr 2026 Berücksichtigung finden.

Quelle: teleschau – der mediendienst