Jubelszenen in Ungarn: Seit der Wahl am vergangenen Sonntag ist das Ende von Viktor Orbán als Ministerpräsident Geschichte. Konkurrent Péter Magyar landete einen Erdrutschsieg samt Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament. Zu diesem Erfolg habe den Politiker unter anderem dessen gute Social-Media-Arbeit geführt, betonte Markus Lanz in der neuen Folge von "Lanz + Precht". "Social Media ist nicht nur ein Instrument von Autokraten, sondern auch für Demokraten", bekfräftigte der ZDF-Moderator.

Magyar sei ein "begnadeter Kommunikator", lobte Lanz und analysierte: "Du musst eine echte, große, spannende Erzählung liefern, sonst kommst du mit deiner Botschaft nicht durch." Dieses Gefühl der Trendwende ("Gott sei Dank, die Demokratie ist noch nicht verloren") auf andere europäische Länder zu projizieren, halte er aber für fatal: "Das ist die falscheste Botschaft, die man daraus ziehen kann."

Precht kritisiert Social-Media-Arbeit der deutschen Altparteien: "Altbacken und fad"

Der Erfolg des neuen ungarischen Ministerpräsidenten sei nicht von heute auf morgen gekommen, warnte Markus Lanz: "So etwas muss man sich systematisch erarbeiten." Es sei ein gefährlicher Trugschluss, zu glauben, man könne "einfach dasitzen und sagen: 'Wird schon gut gehen, hat ja in Ungarn auch geklappt, und wir versuchen es mit den Rezepten von gestern.' Das ist ganz sicher der Weg in den Untergang."

Richard David Precht sieht das ähnlich. "Unsere etablierten Parteien wirken ausgesprochen altbacken und fad", urteilte er im Podcast über die rückständige Social-Media-Arbeit von SPD, Union und Co. "Es gelingt ihnen nicht, Aufbruchstimmung zu erzeugen." Für ein Gegenbeispiel müsse der 61-Jährige schon relativ weit zurückblicken: "Der Letzte, der das vielleicht hinbekommen hat, war Gerhard Schröder."

Precht schraubt Erwartungen an Orban-Nachfolger Magyar zurück

Precht hielt sich auch bedeckt, ob Magyar die hohen Erwartungen erfüllen könne. "Wird er die Hoffnung einlösen oder wird er ein Orban 2.0?", warf er eine Frage auf. Schließlich gebe ihm die Zwei-Drittel-Mehrheit eine Menge Macht. Zudem bestehe eine große Energieabhängigkeit gegenüber Russland und die ungarische Wirtschaft hänge stark von der kriselnden deutschen Automobilindustrie ab.

"Da können wir sehr gespannt sein, wie virtuos er auf diesem Klavier spielen wird", blickte Precht eher skeptisch in die Zukunft. Eines sei aber trotz Magyars politischer Distanzierung von Moskau und seinem pro-europäischen Kurs klar: "Magyar kann es sich nicht leisten, endgültig das Tischtuch mit Russland zu zerschneiden, weil er dann von der Energie abgeschnitten ist."

Quelle: teleschau – der mediendienst