"Zwei, die wissen, wie es ist, wenn's um alles oder nichts geht", begrüßte Katrin Müller-Hohenstein ihre Ehrengäste im ZDF-WM-Studio aus dem Berliner Zollerhof - und die Experten Christoph Kramer und Per Mertesacker trabten die Showtreppe herunter. Sie standen am 13. Juli 2014 im Finale, als Deutschland gegen Argentinien Weltmeister wurde. Seither hat Deutschland nie mehr die WM-K.o.-Runde erreicht. Bis heute.
Ob's ein "klitzekleiner Erfolg" sei, mal wieder die WM-Gruppenphase überstanden zu haben, fragte Müller-Hohenstein rund vier Stunden vor dem Match der Nagelsmänner gegen Paraguay und wenige Minuten vor dem Kick-Off der Brasilianer gegen Japan. Kramer: "Gemessen an den beiden letzten Turnieren, ist's auf jeden Fall ein Erfolg." Gemessen an der Bedeutung Deutschlands im Fußball, der hiesigen Fußballverrücktheit und auch am Geld, das in die Fußballausbildung flösse, "sollte es aber normal sein".
Für das Spiel hatten Kramer und Mertesacker ein gutes Gefühl. "Wir sind superpositiv", meinte Mertesacker. Kramer outete sich als "großer Freund von 'Macht der Gedanken'." "Wer Angst hat zu verlieren, geht anders ins Spiel, als wenn er Lust hat zu gewinnen und weiterzukommen." Mertesacker bestätigte zwar, dass sich Spieler auch Gedanken über einen Misserfolg machten, aber: "Solche Gedanken muss man schnellstmöglich parken."
Christoph Kramer denkt täglich daran, dass er Weltmeister ist
Kramer fügte mit einem Lächeln für Müller-Hohenstein hinzu: "Ist wie in jedem anderen Job. Wenn du dir 20 Minuten lang sagst 'Hoffentlich versprech ich mich nicht', dann wirst du dich versprechen." Sein Fazit deshalb: "Es macht gar keinen Sinn, sich mit solchen Niedergangszenarien zu beschäftigen."
Dann doch lieber mit dem Triumph, wenn er denn klappt. Kramer gab auf Nachfrage zu, dass er noch oft daran denke, damals Weltmeister geworden zu sein. "Schon täglich. Ich mach dann im Kopf gefühlt drei Kreuze. Das fühlt sich zwischen real und unreal an."
Mertesacker erinnert sich zwar nicht täglich, aber oft. "Vor allem, wenn's mal schlecht geht, versucht man noch mal die Momente raufzubeschwören. Das werd ich nie vergessen als Fußballer und Mensch. Auch die Rückkehr damals nach Deutschland - das waren unvergessliche Bilder."
Quelle: teleschau – der mediendienst