33 Maßnahmen umfassen die Vorschläge der Rentenkommission zur Reform der Alterssicherung in Deutschland. Nach viel Zustimmung aus Kreisen der Bundesregierung erneuerte nun der Ökonom Marcel Fratzscher seine Kritik an den publik gewordenen Plänen.

Im Podcast "Politik mit Anne Will" sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: "Es ist eine Reform, es werden Stellschrauben gestellt, aber es wird für viele nicht reichen, dass sie in ihrem Leben, in ihrer Rente einen signifikanten Unterschied sehen." Auch werde die Altersarmut "tendenziell eher weiter steigen als sinken, auch mit dieser Reform".

Fratzscher stört sich vor allem daran, dass die Kommission zu einseitig die Bedarfe der Alterssicherung in den Blick genommen habe - und die Seite der Beitragszahlenden zu sehr außer Acht gelassen habe. "Die Frage ist immer, wer zahlt für die Sicherung", mahnte der Wirtschaftswissenschaftler. Er sprach von einer "reinen Umverteilung" und forderte: "Wir müssen immer beide Seiten angucken."

Fratzscher: "Es sind primär die jüngeren Menschen, die dafür zahlen"

Fratzscher betonte, er gönne jedem eine möglichst frühe und möglichst hohe Rente, aber es gebe im Leben eben nichts umsonst: "Man darf eben nicht nur gucken, was brauchen Rentnerinnen und Rentner, um ein gutes Auskommen im Alter zu haben (...), sondern man muss sich genauso fragen, was heißt das für die jungen Menschen, die dafür zahlen, und es sind primär die jüngeren Menschen, die dafür zahlen, und für sie ist diese Empfehlung der Rentenkommission keine gute Botschaft." Er sei überzeugt, "dass es viele Menschen geben wird, jüngere Menschen, Frauen, die durch diese Reform nicht besser, sondern eher schlechter gestellt werden".

An der Tendenz des deutschen Rentensystems von Jung zu Alt und von Arm zu Reich umzuverteilen, änderten auch die Pläne zur kapitalgedeckten Rente nur bedingt etwas. Grundsätzlich begrüßte Fratzscher die Maßnahme, warnte aber vor überzogenen Erwartungen, wie sie zuletzt der Bundeskanzler geweckt habe. "Tatsache ist, dass es ganz viele Menschen gibt, die können nicht privat vorsorgen. Wenn Sie denen sagen, da geht jetzt zwei Prozent mehr vom Gehalt ab, ist es für manche ein Problem, und auch das muss man ehrlich ansprechen", forderte Fratzscher.

"Das will ich sehen, wie man das dem Deutschen erklärt und wie viele dann Amok laufen"

Zudem gab der Wirtschaftsprofessor von der Berliner Humboldt-Universität zu bedenken, dass sich die Rendite auf dem Aktienmarkt erst langfristig einstelle. "Kurzfristig kann es immer runtergehen", warnte er und befürchtet bereits Panikreaktionen: "Sie können ja mal Verluste haben an Aktienmärkten, und das will ich sehen, wie man das dem Deutschen erklärt und wie viele dann Amok laufen."

Dass die von der Kommission vorgelegten Reformpläne noch stark überarbeitet werden, glaubt Fratzscher trotz aller Kritikpunkte nicht. Auf 80 Prozent bezifferte er die Wahrscheinlichkeit, dass das Paket ohne größere Änderungen umgesetzt werde. Die Koalition im Bund wisse, dass sie liefern müsse: "Wenn sie das jetzt ablehnen würden, könnte ich mir vorstellen, dass es das Ende der Bundesregierung war, weil das werden die Menschen dann nicht mehr verstehen."

Quelle: teleschau – der mediendienst