Was war los mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beim blamablen WM-Aus gegen Paraguay? Die Frage stellen sich auch bei den berichterstattenden Sendern die Experten und Reporter. In einer ARD-Schalte vom verlassenen Team-Quartier der DFB-Auswahl in North Carolina schilderte Alex Schlüter seine Eindrücke nach dem deutschen K.o. im Sechzehntelfinale.
"Große Enttäuschung" habe er wahrgenommen, sagte der "Sportschau"-Moderator, der nach dem Paraguay-Spiel in den Stadion-Katakomben unterwegs war. Dort habe er sich gefragt, "ob da nicht noch mehr sein müsste", und sei irritiert gewesen: "Warum explodiert denn hier keiner?"
Nur einem habe man "die Wut, die Emotionen sofort angesehen", nämlich Nationalmannschaftskapitän Joshua Kimmich. "Ansonsten war da sehr viel Leere, aber auch nicht mehr." Und diese Leere, so Schlüter, habe man vorher auch auf dem Platz erlebt.
"Ich habe endgültig das Gefühl bekommen, dass diese Mannschaft verkopft ist"
Schlüters Analyse zur Niederlage: "Ich habe endgültig das Gefühl bekommen, dass diese Mannschaft verkopft ist." Leichtigkeit, Selbstbewusstsein und Selbstverständnis seien gerade den jungen Spielern abgegangen. "Man hatte bei vielen von den Jungs das Gefühl, sie bekommen den Ball und denken: Was würde der Trainer mir jetzt befehlen?" So könne man aber einen tiefen Abwehrblock wie den der Paraguayer nicht knacken.
Überrascht äußerte sich Schlüter über Bundestrainer Julian Nagelsmann. Der habe während der Turniertage äußerst angespannt gewirkt und die Lockerheit, die seine Pressetermine bei früheren Karrierestationen ausgezeichnet hätten, vermissen lassen. "Hier hatte man immer den Eindruck, dass das für ihn ein Abarbeiten war", sagte Schlüter: "Ganz wenig Lächeln, ein Kurzangebundensein, wie wir es von ihm eigentlich nicht kennen." Schon in den Tagen vor dem fatalen Sechzehntelfinalspiel sei zu beobachten gewesen: "Er stand unglaublich unter Druck."
Quelle: teleschau – der mediendienst