Als protestierende Radikale am 06. Januar 2021 nach Trumps verlorener Wahl das Capitol in Washington stürmen, ist Guy Reffitt, ein 49-jähriger Erdölingenieur aus Texas, einer der Rädelsführer. Er wird im März 2022 zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, aber nach Trumps Wiederwahl begnadigt und im Mai 2025 aus dem Gefängnis entlassen. Der Film von Steffen Kretz: "Trump, mein Vater und ich" zeigt in intensiven Bildern, wie Verschwörungsglaube und fehlgeleiteter Nationalismus eine Familie zerstören. Der Sohn Jackson kann dem Vater und dessen Intentionen nicht folgen. Er zeigt Guy Reffitt an und stellt sich als Zeuge sogar vor Gericht gegen ihn.

In diesen Tagen, in denen beinahe täglich eine neue Sau mit Schreckensmeldungen über Trump durchs mediale Dorf getrieben wird, fällt eine Rückblende auf die Zeit von vor fünf Jahren nicht leicht. Umso erstaunlicher ist, wie sehr diese Geschichte nun unter die Haut geht und dass man sie - bei aller Vorsicht - als symbolhaftes Beispiel für Amerikas Zustand nehmen kann. Es ist keine notleidende Familie, die der Film betrachtet, vom Sturm aufs Capitol (ohne reißerische Horrorszenen) bis hin zur Freilassung des Vaters und der großen Umarmung durch den Familienrest nach der Rückkehr aus dem Gefängnis daheim.

Es ist alles andere als leicht zu sagen, was den Vater letztlich angetrieben hat. Irgendwann hatte er sich radikalisiert, online viel Kontakt mit der radikal opponierenden Vereinigung der "Three Percents" betrieben, sich Waffen gekauft und zu den USA und dem lieben Gott gebetet. Sozialen Absturz, den Verlust des Hauses und die Pfändung des Autos, gab es offensichtlich erst nach der Verhaftung Reffitts und während des Gefängnisaufenthalts, als seine Frau und die beiden Töchter mit den Angehörigen anderer Verurteilter "900 Tage" auf ihn warteten, beteten und protestierten.

Kretz gelang es, aus Archivbildern, mit Guys eigener subjektiver Kamera, mit TV-Meldungen, vor allem aber mit Gesprächen mit dem inzwischen aus der Öffentlichkeit geflohenen Sohn Jackson das Porträt einer von süßem Politgift infizierten Familie zu zeichnen. Für Trump ist Guy ein Held auf der richtigen Seite, einer der sich um das Vaterland verdient gemacht hat, so wie die anderen 1.500, die er begnadigt hat. Für die Mutter, im Film recht patent rüberkommend, selbstredend auch.

Nur Jackson, der mutige, ruhig reflektierende Sohn, der sich gegen den Vater stellte, wird mit einem Online-Shitstorm ohnegleichen behelligt - Todesdrohungen inklusive. Auch er hat sich jetzt aus Angst vor Übergriffen Waffen besorgt, eine Handfeuerwaffe und ein Gewehr. Auch einem Schießclub ist er beigetreten. Guy selbst aber hat nichts bereut. Der Sohn hatte mit dem Vater sprechen wollen, er wollte ihm seine "Liebe" vermitteln. Doch der wollte nur das Geständnis, er habe mit seinen Aussagen gegen ihn gelogen.

"You are an absolute Superstar!", sagt Trump mal über Guy. Und dessen Frau erinnert sich: "Guy hat sich verliebt." Sie meint damit: in Trump. Guys Name ließe sich wohl durch Millionen weiterer Amerikaner ersetzen. Mal sehen, wie lang dieser Wahnsinn weiter grassiert.

Zuvor sendet ARTE um 20.15 Uhr mit "Trumps Amerika - Macht, Wandel, Widerstand" (ZDF, Autor: Gaston Saša Koren) eine Dokumentation, die zeigt, wie sehr Trumps Politik den Zielen der 1973 gegründeten national-konservativen Denkfabrik "Heritage Foundation" folgt. Deren Ideal ist eine weiße, christlich geprägte Gesellschaft mit restriktiver Migrationspolitik. Einer der Experten des Films ist der Leiter des ZDF-Studios Washington Elmar Theveßen.

Welche Auswirkungen hat diese Politik konkret auf die Menschen in den USA? - "Grönland - Der neue Rohstoffrausch" (ARTE F) zeigt um 21.45 Uhr, wie sehr Grönland inzwischen nicht zuletzt wegen seiner Bodenschätze zum Zankapfel zwischen Amerika, Russland und Europa geworden ist.

Trump, mein Vater und ich - Di. 13.01. - ARTE: 22.40 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst