Es sei "ein kurzer politischer Gedanke", den Johannes B. Kerner im Podcast "Hörbar Rust" äußern will. "In einer Zeit, in der Antworten immer kürzer werden, immer lauter und immer schlichter, einfacher, muss man es auch möglich machen, dass man sich auseinandersetzt. Dass man die Gedanken anderer zulässt", fordert der langjährige ZDF-Moderator. "Das ganze Laute, Schnelle, auch verbal Brutale, verächtlich Machende, Kurze - das ärgert mich total."
"Und", ergänzt Gastgeberin Bettina Rust, "es ist gefährlich." Die Journalistin denkt bei Kerners Worten an "Parteien wie die AfD, die die Demokratie aushöhlen mit Mitteln der Demokratie". Sie rate jedem, "lieber ein bisschen mehr" nachzudenken als zu wenig. Gleichzeitig wisse die 58-Jährige: "Natürlich ist es für viele Menschen einfacher, denen zu folgen, die die kurzen, einfachen Antworten haben."
Dies hält Johannes B. Kerner für fatal. "Die einfache Antwort ist bei Weitem nicht immer die richtige", mahnt er. "Weil du eine Partei genannt hast, die AfD ..." Er halte es in diesem Zusammenhang gerne mit einem Philosophen und Juristen, laut dessen "die Sache denkbar einfach" sei: "Miss es einfach mit Artikel 1, Satz 1 unseres Grundgesetzes, wenn du überlegst, die AfD zu wählen." Kerner zitiert: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."
"Das ist für mich unumstößlich"
"Und dann überprüfe: Gehen die würdevoll mit Menschen um? Oder sagen die, der Mensch ist besser als der, deshalb hat er mehr Würde oder mehr Schutz verdient und so weiter?", rät der 61-Jährige. "Wenn du das wirken lässt, bin ich schon am Ende der Bewertung."
In den Augen der Podcasterin gestaltet sich die Frage jedoch komplexer. "Nun haben wir uns aber als Gesellschaft nicht auf einen moralischen oder ethischen Kompass verständigt", gibt sie zu bedenken und nennt Donald Trump als Beispiel. Der US-Präsident sei "das Gegenteil dessen, was man als tugendhaft oder anderen Menschen gegenüber als würdevoll bezeichnen würde - und genau das scheint ihn stark zu machen".
Rusts Gast kann dies nicht nachvollziehen. Er stehe "sehr stabil auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung", sagt Kerner über sich selbst. "Das ist für mich unumstößlich. Und da stehen ein paar kluge Sachen drin im Grundgesetz."
Quelle: teleschau – der mediendienst