Dank eines einzigen Films weltberühmt - und dann bald von der Bildfläche verschwunden? Während viele Hollywood-Stars mit ihren bekanntesten Rollen hadern, empfindet Lea Thompson "Zurück in die Zukunft" (1984) immer noch als "absoluten Segen". Schließlich hätte sie auch durch "einen schrecklichen Slasher-Film" berühmt werden können, sagte sie 2022 in einem Interview mit "The Sunday Post": "Aber dafür bekannt zu sein, dass dieser Film auf unerklärliche Weise von Generation zu Generation weitergegeben wird und die Leute ihn immer noch so sehr lieben - damit habe ich überhaupt kein Problem."

Überhaupt habe sie nur eine negative Assoziation mit dem Komödienklassiker, in dem sie die Mutter der Hauptfigur Marty McFly (Michael J. Fox) spielte: "Meine Töchter waren so traumatisiert davon, dass ich Jungs geküsst habe", sagte Thompson lachend im "People"-Interview. Vor allem als ihre Kinder noch klein gewesen seien, hätten sie kaum ertragen, ihre Mutter auf dem Bildschirm mit anderen Männern zu sehen. Inzwischen, Thompson feiert am 31. Mai ihren 65. Geburtstag, ist das aber längst vergessen. Und vor der Kamera steht die Schauspielerin ohnehin nur noch selten - ist dafür aber hinter den Kulissen aktiv.

Marvel-Flop ließ Thompsons Karriere stocken

Ursprünglich hatte ihre Laufbahn gar nicht nach Hollywood führen sollen. Die in Minnesota geborene Thompson war als jüngstes von fünf Kindern aufgewachsen und hatte zunächst eine Karriere als Balletttänzerin angestrebt. Erst als man ihr sagte, sie sei dafür körperlich nicht ideal geeignet, wandte sie sich der Schauspielerei zu.

Der Wechsel zahlte sich schnell aus. 1983 debütierte sie in "Der weiße Hai 3-D", kurz darauf spielte sie neben Tom Cruise im Sportlerdrama "Der richtige Dreh" und an der Seite von Patrick Swayze und Charlie Sheen in "Die rote Flut". Der ganz große Durchbruch folgte dann 1985: Mit "Zurück in die Zukunft" wurde Thompson weltweit bekannt. Als Lorraine Baines-McFly, die sich in der Vergangenheit unwissentlich in ihren eigenen Sohn verliebte, schrieb sie Kinogeschichte. Der Film wurde zum Welterfolg, zwei Fortsetzungen folgten, die Trilogie entwickelte sich zu einem der größten Popkultur-Phänomene der 80er.

Doch Hollywood-Erfolg ist bekanntlich selten dauerhaft. Direkt nach "Zurück in die Zukunft" spielte Thompson in "Howard - ein tierischer Held" (1986) mit, der ersten großen Marvel-Verfilmung unter Produzent George Lucas. Der Film wurde zum spektakulären Flop und galt jahrelang als Synonym für gescheiterte Blockbuster. Thompson selbst blickte später erstaunlich entspannt darauf zurück: Der Flop sei vielleicht der Grund, "warum meine Filmkarriere nicht lange danach im Grunde genommen zu Ende ging, aber das ist mir egal, ich bin glücklich. Ich finde, man muss sein Leben so akzeptieren, wie es sich entwickelt, aus welchen Gründen auch immer", sagte sie der "Sunday Post".

Zweite Karriere als Regisseurin

Dabei ging ihre Filmkarriere auch nach dem Flop weiter: In den späten 80ern drehte sie "Ist sie nicht wunderbar?" und lernte dabei Regisseur Howard Deutch kennen, den sie 1989 heiratete. In den 90ern blieb Thompson mit Filmen wie "Dennis" (1993) und "Die Beverly Hillbillies sind los!" (1994) präsent, einen größeren Namen machte sie sich allerdings bald als Seriendarstellerin: In der Sitcom "Caroline in the City" (1995-1999) spielte sie die Titelfigur, auch in der Familienserie "Switched at Birth" (2011-2017) gehörte sie zum Hauptcast.

Mit zunehmendem Alter stellte sie jedoch fest, wie rar gute Rollen für Frauen in Hollywood wurden: "Ich will nicht herumsitzen und denken, ich sei alt", sagte sie der "Sunday Post, "Ich bin lieber kreativ und arbeite als Regisseurin, anstatt verbittert herumzusitzen." Der Sprung hinter die Kamera gelang: Thompson inszenierte Episoden von Erfolgsserien wie "Star Trek: Picard", "Resident Alien" und "Die Goldbergs". Besonders die Zusammenarbeit mit Patrick Stewart bei "Picard" bedeutete ihr viel - nicht zuletzt, weil sie schon als Kind ein großer "Star Trek"-Fan gewesen war.

Thompsons Töchter traten in ihre Fußstapfen

Dass ihre beiden Töchter Madelyn Deutch ("Outcast") und Zoey Deutch ("Nouvelle Vague") - trotz ihrer früheren Traumata - ebenfalls Schauspielerinnen wurden, überraschte Thompson nicht. Lange hätte sie versucht, vor allem Zoey vom Geschäft fernzuhalten, sagte sie der "Sunday Post". Irgendwann habe sie jedoch akzeptiert, dass ihre Kinder denselben Weg einschlagen wollten. Sie sei sogar froh, dass beide in einem Bereich arbeiteten, in dem sie, Thompson, ihnen helfen könne: "Ich glaube, viele Menschen landen in derselben Branche wie ihre Eltern. Man spricht oft von Vetternwirtschaft, aber ich denke, man stellt gerne Leute ein, die in der Branche aufgewachsen sind, weil sie sich auskennen und wissen, dass es harte Arbeit ist."

2017 arbeitete sie an einem Familien- und Herzensprojekt. Thompson inszenierte "The Year of Spectacular Men", für den Madelyn das Drehbuch geschrieben hatte und in dem sie an der Seite ihrer beiden Töchter spielte: "Das war eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens, und ich hoffe, dass ich das eines Tages wiederholen kann."

Quelle: teleschau – der mediendienst