Eine amerikanische Familie macht in Marokko Urlaub, der sich für den Arzt Benjamin McKenna (James Stewart) und seine Frau, die ehemalige Sängerin Josephine (Doris Day), zu einem Alptraum entwickelt. Ihr gemeinsamer Sohn Hank (Christopher Olsen) wird von einer Geheimorganisation entführt, die einen Attentag auf einen Staatsmann in London plant. Mit "Der Mann, der zuviel wusste", einem Remake seines eigenen Films aus den 1930er-Jahren, gelang Alfred Hitchcock ein Meisterwerk des Spannungskinos. Am 29. April feierte der Thriller beim Filmfest Cannes Weltpremiere, wir zeigen zum 70-jährigen Jubiläum die zehn spannendsten Fakten über das Regie-Genie.

1. Hitchcocks wichtigste Mitarbeiterin war seine Frau

Alma Reville, nur einen Tag jünger als Hitchcock, war nicht nur von 1926 bis zu dessen Tod 1980 die Ehefrau des Regisseurs, sondern auch seine wichtigste Mitarbeiterin. Alma war bereits als 16-Jährige zum Film gekommen und beriet ihren Mann in den vielen Jahrzehnten ihrer gemeinsamen Karriere - so diskutierten sie täglich über Drehbuchideen, außerdem überzeugte sie ihren Mann, die berühmten Dusch-Szene aus "Psycho" mit der heute legendären Musik zu unterlegen.

2. Hitchcock drehte seinen ersten Film in München

Nach ein paar Jahren als Regieassistent drehte Alfred Hitchcock 1925 seinen ersten eigenen Film - in München. "Irrgarten der Leidenschaft" entstand in den Emelka-Studios in Geiselgasteig, dem Vorläufer der heutigen Bavaria Film, wobei die Außenaufnahmen in Italien gedreht wurden. In der bayerischen Landeshauptstadt feierte die Romanverfilmung am 3. November 1925 auch ihre Weltpremiere.

3. Hitchcocks zweiter Film gilt als verschollen

Ein Jahr nach "Irrgarten der Leidenschaft" drehte Hitchcock seinen zweiten Film - diesmal nicht in Bayern, sondern in Tirol, obwohl "Der Bergadler" (1926) in Kentucky spielt. Weil der Stummfilm beim Publikum nur mäßig gut ankam, wurde er bald aus den Kinos genommen und gilt heute als verschollen. Nur ein paar Setfotos haben überlebt. Ein Verlust für die Filmkunst? Offenbar nur, insofern es sich um einen Hitchcock-Film handelt. Der Regisseur selbst bezeichnete das Werk später als "very bad movie".

4. Hitchcock hatte 40 Cameo-Auftritte

Ein Hitchcock-Film ohne Cameo-Auftritt des Meisters? Undenkbar! In 40 seiner 54 noch existierenden Filme lief Hitchcock durchs Bild, stand er im Hintergrund, trug ein Musikinstrument durch die Gegend oder war auf einer Zeitungsannonce zu sehen. Seinen ersten Cameo hatte er 1927 in dem Stummfilm-Klassiker "Der Mieter".

Im Jubiläumsfilm "Der Mann, der zuviel wusste" ist er in einer Einstellung kurz von hinten zu sehen. Als einer der Zuschauer wohnt er auf einem marokkanischen Marktplatze der Darbietung einer Akrobaten-Truppe bei. Anfangs sollten durch seine Kurzauftritte Kosten für die Statisten gespart werden, später wurden sie zu seinem Markenzeichen.

5. Hitchcock gewann nie einen Regie-Oscar

Alfred Hitchcock gilt vielen als bester, kreativster und innovativster Regisseur der Kinogeschichte. Die Oscar-Academy sah das aber offenbar anders - und verlieh ihm, trotz fünf Nominierungen, nie den Regie-Oscar. 1968 erhielt er lediglich den Ehrenoscar - den Irving G. Thalberg Memorial Award. "Thank you ... very much indeed" - Hitchcock reagierte mit einer denkbar kurzen Dankesansprache.

6. Hitchcock drehte einen Film über den Holocaust

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Hitchcock an einem Dokumentarfilm über die Konzentrationslager. "German Concentration Camps Factual Survey" basiert auf Filmaufnahmen, die die Alliierten in den besetzten Gebieten gemacht hatten; Hitchcock wurde als Berater engagiert. Nach Fertigstellung des Rohschnitts wurde der Film von den britischen Behörden zurückgezogen und erst Jahrzehnte später erstmals gezeigt.

7. Hitchcock litt unter Angststörungen

Sein Publikum wollte er mit seinen Filmen in Angst und Schrecken versetzen - er selbst aber litt zeitlebens unter mehreren Phobien. So hatte er schon als Kind Angst vor Autoritäten, etwa vor Polizisten und Priestern; später kam Höhenangst hinzu - ein Motiv, das er in seinem Film "Vertigo" verarbeitete. Auch vor Spiegeleiern soll sich Hitchcock gefürchtet haben.

8. Hitchcock war ein Marketing-Genie

Wie kaum ein Zweiter verstand es Hitchcock, sich selbst zu vermarkten. Aber auch für seine Filme machte er geschickt Werbung - etwa für "Psycho". So ordnete er an, dass nach Beginn des Films niemand mehr den Kinosaal betreten dürfe, nicht einmal der Präsident der Vereinigten Staaten oder die Queen.

Aus gutem Grund: "Psycho" überrascht schon nach wenigen Minuten mit einer irren Wendung. Denn die Hauptfigur eines Films, die zumal von dem damaligen Hollywood-Star Janet Leigh gespielt wurde, schon nach rudn der Hälfte des Films umbringen zu lassen, war für die Zuschauerinnen und Zuschauer ein weiteres schockierendes Element rund um das Horror-Meisterwerk.

9. Hitchcock war von Blondinen besessen

Alfred Hitchcock hatte eine fast schon krankhafte Vorliebe für blonde Frauen. Vor allem von Tippi Hedren war er besessen - er engagierte die Schauspielerin für "Die Vögel" und dann noch einmal für den Psycho-Thriller "Marnie", wo Sean Connery ihr Kollege war. Später erzählte Hedren, Hitchcock habe sie am Set von "Die Vögel" absichtlich gequält, indem er immer wieder echte Vögel auf sie herabstürzen ließ, und sie auch sexuell belästigt.

10. Hitchcock liebte das Spiel mit der Zensur

Die Filmzensur legte Hitchcock viele Steine in den Weg. Er wusste aber, perfekt mit den Einschränkungen umzugehen. Berühmt wurde etwa die Schlussszene von "Der unsichtbare Dritte": Nachdem Cary Grant in einem Schlafwagen Eva Marie Saint zu sich ins Bett gezogen hat, erfolgt ein Schnitt, und man sieht einen Zug in einen dunklen Tunnel rasen. Ein eindeutig zweideutiges Symbolbild. Hitchcock nannte die gewagte Szene die "impertinenteste Schlusseinstellung, die ich je gemacht habe".

Quelle: teleschau – der mediendienst