Alle Welt war sich einig, und auch heute denken die meisten nicht anders: Der Song ist großartig. Weshalb "Rock Me Amadeus" denn auch ein sensationeller Charterfolg war. Und das nicht nur in Deutschland, der Schweiz und in Österreich sowieso, wo Sänger Falco immerhin zu Hause war. Sogar in den USA war der Ohrwurm ein Riesenhit: Als erster deutschsprachiger Song erklomm er dort vor genau 40 Jahren die Spitze der Charts. Wirklich, alle Welt liebte "Rock Me Amadeus", nur einer hasste das Lied unversöhnlich. Sein Name: Falco.
Mit "Rock Me Amadeus" stand Hans Hölzel, so der bürgerliche Name des "Falken", von Anfang an auf Kriegsfuß. Schon das Demo des Liedes, das die niederländischen Produzenten Rob und Ferdi Bolland ("In The Army Now") Falcos Team zugeschickt hatten, bereitete ihm Unbehagen. Damals, 1984, war die Zeit von "Amadeus", des Spielfilms über den genialen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Den Film hatten die Brüder Bolland im Kino gesehen und daraufhin "Rock Me Amadeus" komponiert. Allen im Studio sei "ganz schnell klar" gewesen, dass das ein Welthit sein würde, sagte Horst Bork, damals Falcos Manager, im Gespräch mit "einestages". Allen - "bis auf Hans".
Falco sang "Rock Me Amadeus" "unter größtem Widerstand"
Partout hatte sich Falco geweigert, "Rock Me Amadeus" einzusingen. Als Leichenfledderei soll er den Song auf der einen Seite empfunden haben. Aber auch lokalpatriotischer Stolz Grund war Grund für seine Abneigung. Wie konnte er als Wiener sich verbeugen vor einem, der aus Salzburg kam - sei dieser jemand auch Mozart, der Überkomponist. "'I bin doch koa Mozartkugel', hat er immer gesagt", so Musikmanager und Buchautor Bork im Oktober 2025 gegenüber dem Südwestrundfunk.
Letztlich konnte man Falco doch überreden. Oder war Druck im Spiel? "Ich singe diesen Titel nur unter größtem Widerstand und auf Druck meines Managements!", sagte Falco. Sagte es - und holte dann doch das Beste aus sich heraus. Und das, obwohl er sturzbetrunken am Mikrofon stand und Produzent Rob Bolland ihm die Textzeilen soufflieren musste, wie sich Ferdi Bolland in einem Interview erinnerte. Glücklich waren dann doch alle über das Ergebnis. "Er hat den Song innerhalb von zwei Stunden, ohne große Veränderungen aufs Band 'geschmissen'", so Bork, "und das war die Version, die es geschafft hat."
"Des schoff i nie wieder": Wie der Erfolg Falco unter Druck setzte
Am Ende - war noch lange nicht alles gut. Auch beim Dreh des Musikvideos stellte sich Falco quer. Als wollte er die im Song auf Mozart gemünzten Eigenschaften für sich beanspruchen. "Er war so exaltiert. Genau das war sein Flair." Zum Flair des Musikvideos gehörte auch die ausgefallene bunte Perücke, die Falco in der Rolle Mozarts tragen musste und die den Komponbisten als Punk seiner Zeit ausweisen sollte. Als punkig erschien Falco die schrille Aufmachung aber gar nicht. "I bin kaa Woama". sagte er. Heißt übersetzt: "Ich bin kein warmer Bruder."
Dann kam, trotz allem, der Erfolg. Der erlösende Erfolg. Denn Falcos zweites Studioalbum "Junge Roemer" (1984) war kommerziell hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Daher lastete enormer Druck auf Sänger und Kollegen, mit der dritten Platte "Falco 3" (1985) und speziell mit "Rock Me Amadeus", der ersten Singleauskopplung, an den Erfolg des Debüts "Einzelhaft" (1982) anzuknüpfen. Das gelang mit Bravour. Vor allem das Lied übertraf alles Bisherige, als es nicht nur in den deutschen, österreichischen oder britischen Charts den Spitzenplatz erreichte, sondern am 29. März 1986 auch die US-Billboard-Charts toppte.
Doch selbst jetzt konnte sich Falco mit "Rock Me Amadeus" nicht versöhnen. Zwar freute ihn der Erfolg, doch er stimmte ihn auch besorgt. Vor allem die Nummer-Eins-Nachricht aus den USA drückte seine Stimmung. Denn der Erfolg war auch eine Messlatte, und die lag nun so hoch, dass ihm angst und bange wurde. "Jetzt is' aus", soll Falco gesagt haben, dieser exaltierte, selbstbewusste Pop-Provokateur, den unter der Oberfläche aber Zweifel und Ängste umgetrieben hatten. "Jetzt is' aus", sagte er. "Des schoff i nie wieder."
Quelle: teleschau – der mediendienst