Heimliche Rituale gegen das Licht der Öffentlichkeit, streng abgeschottete Gemeinschaften gegen Publicity-Zirkus: Eigentlich scheint das Leben in einer Sekte wie ein krasser Gegensatz zum Leben in Hollywood. Umso erstaunlicher, dass viele Stars aus der Traumfabrik in mehr oder minder verschrobenen Religionsgemeinschaften aufgewachsen sind. Einige konnten sich von dieser Vergangenheit lösen, bei anderen dauert die Mitgliedschaft bis heute an.
Kindheit ohne Strom, Wasser und Süßigkeiten
Für Oliver Pocher war seine Kindheit bei den Zeugen Jehovas kein Zuckerschlecken: "Wenn jemand Süßigkeiten mitgebracht hat, durfte ich nichts nehmen", so der TV-Star über seine Schulzeit. Schlimmer aber war für ihn der Verlust des besten Freundes: Nachdem dessen Familie die Sekte verlassen hatte, durften sich die beiden nicht mehr sehen. Heute hat Pocher sich von den Zeugen Jehovas befreit.
Verschrobene Sekte oder harmlose Hippie-Kommune? Das ist nicht ganz klar bei der "Rainbow Family", in der Winona Ryder aufwuchs. Sieben Familien lebten auf einem weiträumigen Gelände zusammen: ohne Gewalt, ohne Statusunterschiede - und ohne Strom. Vorhanden waren allerdings Drogen. Immerhin, Ryder blieb ein braver Bücherwurm und laut eigener Aussage clean.
Ähnliches erlebte Patricia Arquette als Kind in der Skymont-Subud-Kommune. Die Sekteie wollte nicht nur neue Wege finden, um mit Gott zu kommunizieren, sondern auch eine utopische Gesellschaft errichten. Deren Grundlage war ein Leben ohne Strom und fließendes Wasser.
In der Kindheit von US-Talkmasterin Ellen DeGeneres in der "Kirche Christi, Wissenschaftler" war hingegen etwas anderes Mangelware: "Ich sah nie tiefe Gefühle bei meinen Eltern. Es war alles sehr höflich und sehr oberflächlich. Ich wusste nie, wie irgendwer sich fühlte." Nachdem ihre Mutter sich von ihrem Vater, dem Ersten Leser (entspricht ungefähr einem Priester) der örtlichen Gemeinde, trennte, war es allerdings vorbei mit der Sekte.
Val Kilmer war ebenfalls seit seiner Jugend Mitglied der "Kirche Christi, Wissenschaftler". Der 2025 verstorbene Schauspieler konnte sich nie von der Sekte lösen - selbst als der Glaube seine Gesundheit gefährdete. Da die Sekte nicht an die moderne Medizin glaubt, wollte er auch einen Tumor im Hals nicht wahrhaben. Erst als er aus dem Hals blutete, wurde er ins Krankenhaus gebracht und notoperiert. Trotzdem vertrat er die Meinung, die Liebe seiner Familie und ihre Gebete hätten ihn geheilt.
Von wegen "freie Liebe"
Auch Joaquin Phoenix wurde in eine Sekte hineingeboren. Doch seine Eltern verließen die sogenannten "Children of God" bereits, als Joaquin vier Jahre alt war. Nach dem Ausstieg wagten sie den Neustart in Los Angeles - und brachten damit ihre Söhne River und Joaquin schon mal an den richtigen Ort für ihre späteren Hollywoodkarrieren.
Auch Schauspielerin Rose McGowan wuchs bei den "Children of God" auf. Dort wurde freie Liebe propagiert und die sehr nahe Ankunft Jesu auf der Erde vorbereitet. Doch als aus der "freien Liebe" allmählich "Geschlechtsverkehr mit Kindern" wurde, ergriffen McGowans Eltern mit ihrer Tochter die Flucht.
Auch Glenn Close schaffte die Flucht: Nachdem sie durch ihren Vater mit sieben Jahren der "Moralischen Aufrüstung" beitreten musste, verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend unter einer Führung, "die grundsätzlich diktiert, wie man leben soll, was man sagen soll und wie man sich fühlen soll". Mit 22 Jahren schaffte sie es, sich von der Sekte zu lösen.
Hollywood-Stars und Scientology
Schauspielerin Leah Remini ("King of Queens") wuchs in New York auf - bis sich ihre Mutter Scientology anschloss, als Remini zehn Jahre alt war. Plötzlich musste sie in einer Wohnanlage in Florida leben und Tag und Nacht arbeiten. "Es war nicht möglich, Nein zu sagen", erzählte sie später über ihre Jugend. Erst als Erwachsene konnte Remini sich von der Sekte lösen, seitdem spricht sie sich offen gegen Scientology aus.
Juliette Lewis steht hingegen bis heute zu Scientology, die Schauspielerin ("Natural Born Killers") wurde in die Sekte hineingeboren: Schon ihr Vater Geoffrey Lewis war Mitglied. Lewis rechnet es Scientology an, dass sie nach früheren Experimenten mit Marihuana und Kokain heute clean ist: "Scientology gibt mir Wurzeln und Halt - es war ein unglaublicher Einfluss in meinem Leben."
Auch Giovanni Ribisi ist fest in der Sekte verwurzelt: "Scientology hat mir Selbstsicherheit gegeben. Ich habe die Fähigkeit, mit jedem in jeder Situation zu kommunizieren", erklärte er. Dass das nicht die ganze Wahrheit sein könnte, ist erst bekannt, seit seine Tochter Lucia Scientology verlassen hat: Sie erzählte, dass ihr Vater immer wieder Zweifel an der Organisation hegte.
Zuvor schon als Peggy Olson in "Mad Men" erfolgreich, hat Elisabeth Moss mit "The Handmaid's Tale" ihre Paraderolle gefunden: Als Hauptfigur Offred führt sie die Zuschauer durch ein totalitäres System, das Frauen unterdrückt. Bemerkenswert: Auch im wahren Leben lebt Moss in einem wenig weltoffenen System - sie ist Scientologin. Schon als Kind wurde sie durch ihre Eltern damit in Berührung gebracht.
Absurde Diäten und mehr
Zugegeben: Michelle Pfeiffer ist nicht in einer Sekte aufgewachsen. Trotzdem ist die Geschichte der Schauspielerin zu schräg, um sie hier nicht zu erzählen. Vor ihrer Hollywoodkarriere geriet sie an ein Paar, das sie in den "Breatharianism" einführte. Danach braucht der Körper kein Essen, sondern kann sich alleine durch Sonnenlicht ernähren. Auch Pfeiffer wurde dazu gedrängt, einer strengen Diät zu folgen. Erst, als sie ihrem ersten Mann dabei half, sich auf die Rolle eines Sektenanhängers vorzubereiten, wurde ihr klar, dass sie sich längst selbst in einer Sekte befand - und beendete die absurde Diät.
Michelle Hunzikers geriet erst im Erwachsenealter in die Abhängigkeit einer Sekte: In ihrer Autobiografie "Ein scheinbar perfektes Leben" gestand sie, dass sie mit Anfang 20 in die Sekte "Krieger des Lichts" gelockt worden sei. Die Sektenführerin habe ihr das Rauchen abgewöhnt, danach habe sie ihr jedes Wort geglaubt und ihre strengen Regeln befolgt. Erst durch die Liebe zu ihrer Tochter Aurora schaffte Hunziker nach fünf Jahren den Ausstieg aus der Sekte.
Quelle: teleschau – der mediendienst