Deutsche Könige mag es seit 1918 keine mehr geben, schließlich wurde die Monarchie hierzulande nach dem Ersten Weltkrieg abgeschafft. Doch nimmt man die verbliebenen europäischen Königshäuser mal genauer unter die Lupe, entpuppen sich diese als deutscher, als man denkt.

Das britische Königshaus hat zahlreiche Wurzeln in Deutschland

Dass King Charles III. Weihnachten am 24. und nicht wie in Großbritannien üblich am 25. Dezember feiert, hat einen einfachen Grund: Das Haus Windsor, dem die Queen entstammt, hieß ursprünglich Sachsen-Coburg und Gotha. Charles' Urgroßvater Georg V. benannte es aufgrund der kriegsbedingten antideutschen Stimmung 1917 um. Den sperrigen Namen verdankte die royale Familie dem deutschen Prinzen Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, der 1840 seine Cousine Queen Victoria aus dem Hause Hannover ehelichte.

Das Paar verheiratete seine neun Kinder strategisch so klug, dass man in so gut wie jeder royalen Ahnentafel früher oder später auf eine(n) Sachsen-Coburg und Gotha stößt. Zum Beispiel auch in der von Prinz Philip: Seine Urgroßmutter Alice war eine Tochter von Albert und Victoria. Und auch das Haus Mountbatten, dem Philip seinen Nachnamen verdankte, hat deutsche Wurzeln: Es hieß bis 1917 noch Battenberg und war eine Nebenlinie des hessischen Herrscherhauses.

Auch das belgische Königshaus ging aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha hervor - so sind König Philippe I. und Queen Elizabeth II. über Queen Victorias Ehemann Prinz Albert miteinander verwandt. Wenn auch über viele Ecken: Sie sind Cousins fünften Grades. Als besonders deutsch dürfte sich König Philippe I. trotzdem nicht empfinden. Seine direkteste deutsche Ahnin ist seine Urgroßmutter Elisabeth Gabriele, gebürtige Herzogin in Bayern.

Die "Sissi"-Nichte, die 1909 zur Königin der Belgier wurde, ist auch die Urgroßmutter eines weiteren amtierenden Monarchen, nämlich Henri von Luxemburg. Der hat durch seine Ururgroßmütter zudem Verbindungen in die Adelshäuser Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, Hohenzollern-Sigmaringen, Anhalt-Dessau und Nassau.

Die deutschen Prinzen der Niederlande

Man muss nicht bis zum 1533 im Westerwald geborenen Willem von Oranien zurückgehen, um die deutschen Wurzeln der niederländischen Königsfamilie zu erkunden. Eine Generation reicht: Schließlich war Willem-Alexanders Vater, Prinz Claus, eigentlich ein von Amsberg und deutscher Diplomat. Dass die damalige Prinzessin Beatrix einen Deutschen heiratete, sorgte 1966 in den Niederlanden für große Empörung. Dabei war doch schon Beatrix' Vater Prinz Bernard ein Deutscher. Bevor seine Frau Juliana 1948 Königin der Niederlande wurde, lautete sein Name Bernhard zur Lippe-Biesterfeld. Geboren wurde der Adelige in Jena, er verbrachte seine Jugend aber in Posen.

Wenn man einem Adelsgeschlecht mit dem herrlich sperrigen Namen Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg entstammt, hat man zweifelsohne Vorfahren in Deutschland. Doch die direkteste deutsche Ahnin von Dänemarks ehemaliger Königin Margrethe II. war Herzogin zu Mecklenburg: ihre väterliche Großmutter Alexandrine.

Auch Felipe VI. hat deutsche Vorfahren - über seine Mutter Sofia. Die war zwar vor ihrer Hochzeit mit Juan Carlos I. eine Prinzessin von Griechenland, aber auch eine Herzogin von Braunschweig-Lüneburg: Die Mutter von Sofia, Griechenlands Königin Friederike, stammt aus dem Hause Hannover und wurde 1917 in Blankenburg im Harz geboren. Friederikes Großvater mütterlicherseits: Kaiser Wilhelm II.

Diese Deutsche ist eine Urahnin des norwegischen, dänischen und belgischen Königshauses

Dass ihre Königin Silvia von Schweden in Heidelberg geboren wurde - übrigens als Tochter eines Deutschen und einer Brasilianerin - ist hierzulande hinlänglich bekannt. Aber wussten Sie, dass Kronprinzessin Victoria und ihre Geschwister auch von väterlicher Seite deutsche Vorfahren haben? Tatsächlich war auch die Mutter von Carl XVI. Gustaf eine Deutsche: Prinzessin Sibylla war die älteste Tochter des letzten regierenden Herzogs von Sachsen-Coburg und Gotha. Verwurzelt ist das schwedische Herrscherhaus - wie der Name Bernadotte erahnen lässt -, allerdings in Frankreich.

Auch im Stammbaum von Harald V. von Norwegen, ebenfalls ein Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, muss man eine Weile nach deutschen Namen suchen: Seine Urgroßmutter Sophia von Nassau ist die nächste deutsche Vorfahrin. Die in Wiesbaden geborene Königin Sophia von Schweden und Norwegen taucht in fast so vielen königlichen Stammbäumen auf wie Queen Victoria: Sie ist nicht nur die Urgroßmutter von Harald von Norwegen, sondern auch die Ururgroßmutter von Margrethe II. von Dänemark, Philippe von Belgien, Carl XVI. Gustaf von Schweden sowie Henri von Luxemburg.

In Liechtenstein wird es aller Voraussicht nach einmal eine deutsche Fürstin geben. Am 3. Juli 1993 heiratete Erbprinz Alois Sophie, Herzogin in Bayern. Seither darf sich die Wittelsbacherin ganz offiziell Prinzessin nennen, obwohl die Monarchie in Deutschland längst abgeschafft wurde.

Selbst der Fürst und die Fürstin von Monaco haben deutsche Ahnen: Alberts Urgroßvater Louis II. gehörte durch seine Mutter dem badischen Herzogsgeschlecht an und wuchs in Baden-Baden auf. Die Ururgroßeltern von Charlène wohnten vor ihrem Auszug nach Südafrika hingegen im uckermärkischen Zerrenthin.

Quelle: teleschau – der mediendienst