Der größte Gegner von Woody, Buzz und Jessie ist diesmal kein finsterer Bösewicht aus Plastik. Es ist ein Tablet. Genau diese ungewöhnliche Ausgangslage machte "Toy Story 5" für Pixar überhaupt erst erzählenswert. "Wir wollten mit dem beginnen, was wir alle beobachten", erklärt Produzentin Lindsey Collins in Gespräch mit der Agentur teleschau. Es sei dem Team nicht darum gegangen, Technologie grundsätzlich zu verurteilen. Vielmehr habe man die komplizierte Beziehung vieler Familien zu Smartphones und Tablets ehrlich abbilden wollen: "Wir wollten von einem Ort der Wahrheit ausgehen - nicht von einem Ort der Verurteilung."

Heute (23. Juli) startet "Toy Story 5" in den deutschen Kinos. In der Fortsetzung der erfolgreichen Animationsfilmreihe rückt Cowgirl-Stoffpuppe Jessie stärker als je zuvor in den Mittelpunkt. Während Bonnie immer mehr Zeit mit ihrem neuen Tablet Lilypad verbringt, kämpfen die Spielzeuge darum, ihr zu zeigen, dass Fantasie, Freundschaft und echtes Spielen auch in einer digitalen Welt ihren Platz haben.

Dass ausgerechnet Jessie die zentrale Figur wird, sei für das Kreativteam schnell klar gewesen. Co-Regisseurin Kenna Harris erinnert sich an den ersten Entwurf von Andrew Stanton. Darin habe er bereits drei entscheidende Ideen verbunden: Lilypad als Gegenspielerin, Jessie als neue Anführerin und eine ganze Gruppe außer Kontrolle geratener Buzz-Lightyear-Figuren. "Als wir hörten, dass Jessie die Hauptfigur sein sollte, dachten wir sofort: Das ist eigentlich ein Selbstläufer", erzählt Harris gegenüber teleschau.

Erzählungen aus "den guten alten Zeiten"

Doch hinter dem Film steckt weit mehr als der Konflikt zwischen Spielzeug und Technik. Für Harris erzählt "Toy Story 5" vor allem davon, wie Kinder heute aufwachsen. Ihre eigene Kindheit habe genau an der Schwelle zur Smartphone-Generation gelegen. "Ich habe unglaublich viel Zeit draußen verbracht", erinnert sie sich. Heute wirkten solche Erfahrungen auf manche Kinder beinahe wie Geschichten aus einer fernen Vergangenheit - wie Erzählungen aus "den guten alten Zeiten", in denen es noch keinen Bildschirm zur ständigen Beschäftigung gab.

Deshalb wolle der Film nicht nur zeigen, dass klassische Spielzeit immer mehr verschwindet. Viel wichtiger sei die Frage, wie Kinder trotz digitaler Welt echte Verbindungen zu anderen Menschen aufbauen können. Für Jessie werde daraus die größte Aufgabe, vor der sie bislang gestanden habe: Es gehe nicht länger nur darum, wieder häufiger mit Bonnie zu spielen, sondern darum, dem Mädchen zu helfen, auf andere Kinder zuzugehen und Freundschaften zu schließen.

Auch Produzentin Lindsey Collins sieht darin den emotionalen Kern der Geschichte. Jessie müsse im Laufe des Films erkennen, dass der Wert eines Spielzeugs nicht davon abhänge, wie lange es einen Menschen begleitet. "Man kann das Leben eines Menschen auch in einem einzigen Moment verändern", sagt Collins.

Pixar-Kreativchef Pete Docter: Nach dem CGI-Effekt muss die Geschichte punkten

Gerade als Mutter beschäftige sie diese Frage auch persönlich. "Mache ich überhaupt einen Unterschied im Leben meiner Kinder? Werden sie sich an irgendetwas davon erinnern?", frage sie sich häufig. Genauso wichtig sei jedoch, anderen Menschen zu sagen, welchen Einfluss sie auf das eigene Leben gehabt hätten. Diese Erkenntnis bilde letztlich den emotionalen Abschluss von Jessies Geschichte.

Dass der Film ausgerechnet jetzt erscheint, ist für Pixar kein Zufall. Bereits während der Entwicklung sei allen Beteiligten bewusst geworden, wie stark Smartphones und Tablets inzwischen den Alltag vieler Familien bestimmen. Trotzdem wolle "Toy Story 5" keine einfache Antwort liefern.

Lilypad kommt schließlich zunächst mit denselben guten Absichten in Bonnies Zimmer wie die Spielzeuge: Sie möchte dem Kind helfen. Doch ihre Vorstellungen davon, was ein gelungenes Leben ausmacht, beruhen vor allem auf Daten, Zahlen und Checklisten. Darin liegt der große Gegensatz zu Jessie, die Bonnie durch Erfahrung, Fantasie und echte Nähe unterstützen möchte.

Für Pixar-Kreativchef Pete Docter bleibt trotz aller technischen Entwicklungen ohnehin etwas anderes entscheidend. Computergrafik könne ein Publikum vielleicht für wenige Sekunden beeindrucken. "Danach muss die Geschichte etwas zu sagen haben", erklärt er. Entscheidend seien Figuren, die sich lebendig anfühlen, und Emotionen, in denen sich die Zuschauer selbst wiedererkennen.

Vielleicht fasst Kenna Harris die Botschaft des Films am schönsten zusammen. Gerade in einer Zeit, in der digitale Geräte den Alltag immer stärker bestimmen und technologische Entwicklungen vielen Menschen Angst machen, wolle sie an etwas zutiefst Menschliches erinnern.

"Spielen ist etwas, das wir nicht einfach abschalten können", sagt sie. "Es ist die Superkraft, die in jedem Kind und jedem Erwachsenen steckt." Sie hoffe deshalb, dass nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene nach dem Kinobesuch wieder Lust bekommen, ihre Fantasie zu benutzen - gerade dann, wenn sie sich gegenüber ihren Geräten manchmal machtlos fühlen.

Quelle: teleschau – der mediendienst