Wer die Berichterstattung über die ersten Gehversuche des Dokumentarfilms "Melania" verfolgt hat, wird mit einem krachenden Desaster gerechnet haben. Dem Film über die US-amerikanische First Lady Melania Trump und deren Erlebnisse während der turbulenten Anfangszeit in der aktuellen, zweiten Präsidentschaft ihres Ehemannes Donald Trump verfolgt hat, wurden katastrophale Besucherzahlen prognostiziert. Unter anderem wurde von der Erstaufführung in einem Kino im Londoner Stadtteil Islington berichtet, zu der ein einziges Ticket verkauft worden sein soll.

Doch es kam anders: In den USA und Kanada spielte der Film sieben Millionen US-Dollar ein. Beachtlich ist diese Summe aber nur, wenn man das Genre von "Melania" beachtet. Würde ein Blockbuster, der ähnlich groß vermarktet wurde wie der Film über die First Lady solche Zahlen einspielen, wäre er krachend geflopt. Für einen Dokumentarfilm kann sich das Ergebnis jedoch mehr als sehen lassen: "Melania" hat das erfolgreichste Premierenwochenende eines Dokumentarfilms seit 14 Jahren hingelegt - Konzertfilme ausgeschlossen.

Nimmt Amazon einen fianziellen Verlust in Kauf?

Profit wird Amazon mit dem Film jedoch trotzdem keinen machen. Für die Rechte an dem Werk von Filmemacher Brett Ratner ("Rush Hour"), für den der Film das Regie-Comeback nach seinem #MeToo-Skandal im Jahr 2017 darstellt, hat Amazon MGM Studios 40 Millionen US-Dollar investiert. Weitere 35 Millionen flossen in die Marketingkampagne. Kritiker unterstellen Amazon, einen kommerziellen Verlust einkalkuliert und im Gegenzug dem US-Präsidenten aus Berechnung einen Gefallen getan zu haben.

Sieht man sich die Zielgruppen an, hat der Film seine Erwartungen jedoch voll und ganz erfüllt. 72 Prozent des Publikums war 55 Jahre alt. Dieselbe Zahl gilt für den Anteil weiblicher Besucherinnen. Und drei Viertel der Zuschauerinnen und Zuschauer waren weiß. Die Durchschnittsanzahl Weißer in der US-Bevölkerung beläuft sich indes auf etwa 60 Prozent.

Es sind noch keine offiziellen Angaben über den Erfolg von "Melania" in Deutschland veröffentlicht worden. Der Vorverkauf lief jedoch schlecht.

Quelle: teleschau – der mediendienst