"James Bond"-Filme haben schon immer Action-Spektakel erster Güte geboten. Ebenso zuverlässig gehörten sie aber nie zu den Kanditen für einen Oscar. Jedenfalls nicht für eine künstlerische Kategorie. Anders sieht die Ausbeute im technischen Bereich aus, wo der eine oder "Bond"-Film schon den einen oder anderen Academy Award gewonnen hat.
Doch selbst hier ist der Erfolg überschaubar. Der erste "James Bond"-Film, der jemals einen Oscar gewann, ist der, auf den viele wahrscheinlich tippen würden: 1965 wurde "Goldfinger" mit Sean Connery bei seinem dritten Einsatz als 007 für die besten Toneffekte ausgezeichnet. Preisträger war der britische Tontechniker Norman Wanstall. Es war eine hundertprozentige Ausbeute, gab es doch nur eine einzige Nominierung.
Ein Jahr später durfte sich ebenfalls nur ein Mitarbeiter eines "James Bond"-Films Hoffnungen auf einen Oscar machen. Auch John Stears wurde nicht enttäuscht. Der britische Filmtechniker nahm den Oscar für seine Arbeit an den visuellen Effekten von "Feuerball" (19. März, 22.40 Uhr auf VOX ) entgegen. Info am Rande: Zwölf Jahre später erhielt Stears seinen zweiten Oscar in derselben Kategorie, für "Krieg der Sterne".
Oscar-Triumphator "Skyfall"
Danach mussten geschlagene 47 Jahre vergehen, bis wieder ein "James Bond" bei den Oscars eine Rolle spielte. 2013 wurden Per Hallberg und Karen Baker Landers ausgezeichnet - wen überrascht es: in einer technischen Kategorie. Die beiden wurden für den besten Tonschnitt bei "Skyfall" (2012) gewürdigt.
Es blieb nicht bei diesem einen Oscar, es kam ein weiterer hinzu - weshalb "Skyfall" bis heute der "James Bond"-Film mit den meisten Oscars-Auszeichnungen ist. Einen Preis gewonnen hatten in jenem Jahrgang auch der britische Songwriter Paul Epworth und seine Landsfrau, die Sängerin Adele, für das Lied "Skyfall".
Auch das war keine große Überraschung, denn längst standen "James Bond"-Filme im Ruf, eine Bühne zu sein für bombastische Filmsongs. Die Blaupause dürfte das Wings-Stück "Live and Let Die" gewesen sein, das Paul McCartney für den Roger-Moore-"Bond" "Leben und sterben lassen" (1973) komponierte. Einen Oscar erhielt das Lied nicht, war aber immerhin nominiert.
Genauso wie der Song "Nobody Does It Better", der von Marvin Hamlisch nach den Lyrics by Carole Bayer Sager für "Der Spion, der mich liebte" (1977) komponiert und von Carly Simon gesungen wurde. Oder die Ballade "For Your Eyes Only" aus "In tödlicher Mission" (1981) von Komponist Bill Conti, Texter Mick Leeson und Sängerin Sheena Easton, die ebenfalls nicht über eine Nominierung hinauskam.
"James Bond"-Filme und ihre Songs
Umso bemerkenswerter der Triumph von "Skyfall", der überhaupt die meisten Oscar-Nominierungen von allen "Bond"-Filmen erhielt, nämlich insgesamt fünf. Neben Bester Tonschnitt und Bester Song war der Agenten-Actioner auch in den Kategorien Beste Kamera, Original-Score und Sound Mixing in der Auswahl.
Nach dem Oscar für "Skyfall", das Lied, gab es für die "James Bond"-Filme in dieser Kategorie kein Halten mehr. Seither gilt es als ausgemacht, dass das neueste 007-Spektakel mindestens für seinen Song nominiert wird. Und wirklich hatten die "Bond"-Filme danach einen Lauf sondergleichen.
Denn auch die "Bonds" 24 und 25, "Spectre" (2015) und "Keine Zeit zu sterben" (2021), wurden jeweils für das beste Lied ausgezeichnet: "Spectre" für "Writing's on the Wall", komponiert und gesungen von Sam Smith, "Keine Zeit zu sterben" für den Titelsong "No Time to Die" von Billie Eilish und ihrem Bruder Finneas O'Connell.
Das alles ist Ehren wert und dennoch: in gut 60 Jahren "James Bond"-Geschichte und bei 25 Filmen (plus manches Werk außerhalb der Reihe) nur sechs Oscars insgesamt - die Ausbeute ist mehr als mager. Das ist eines Superagenten unwürdig, der Welt und Menschheit schon manches Mal vor dem Untergang gerettet hat
Quelle: teleschau – der mediendienst