Collien Fernandes' eigener Ehemann soll über mehrere Jahre hinweg gefälschte, pornografische Profile von ihr erstellt haben. Unter ihrer Identität führte er laut ihren Angaben intensive Online-Affären mit verschiedenen Männern. Mittels künstlicher Intelligenz seien Abbildungen von ihr erstellt worden, die den Betrachter glauben lassen, es sei die Schauspielerin - in sexualisierten Posen. Fernandes hat Ulmen angezeigt. Derzeit gilt die Unschuldsvermutung für ihn. Mit ihren Berichten sorgt sie derzeit für großes Aufsehen und schockiert zahlreiche Menschen. 

Deepfakes werden jedoch nicht nur im pornografischen Kontext erstellt, wie TV-Mediziner Eckart von Hirschhausen auf seiner Instagramseite am 21. März 2026 deutlich machte: "Weil ich selbst von Deepfakes betroffen bin, und angeblich im Internet Medikamente verkaufe, gehe ich seit Jahren juristisch gegen den Betrug vor, ohne dass sich etwas ändert. Deepfakes sind keine Meinungsfreiheit, sondern ein Verbrechen, sind Rufmord und Identitätsdiebstahl."

"Es betrifft uns alle" - Eckart von Hirschhausen richtet sich an Justiz

Der 58-Jährige veröffentlichte am 20. März 2026 eine ernste Video-Ansprache und schrieb dazu: "Die Plattformen kennen keine Menschenwürde, zahlen keine Steuern, halten sich an keine Gesetze. Sie verdienen an jedem Klick mit, machen mit Rechtsbruch und Betrug Profit. Deshalb ist es eben NICHT nur eine persönliche Tragödie - es betrifft uns alle." Er fordert die deutsche und europäische Justiz zum Handeln auf. Es brauche "verbindliche Regeln, die Betroffene schützen, die Täter bestrafen und die Plattformen verantwortlich machen".

Zahlreiche weitere Stars solidarisieren sich mit Collien Fernandes im Netz. Hinter ihr steht auch die gemeinnützige Organisation für Menschenrechte im Netz HateAid. "Wir sind über 250 Frauen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Wir sind entsetzt über die abscheuliche Gewalt, die Collien Fernandes öffentlich gemacht hat", schrieb die Gruppe am 23. März 2026 auf Instagram und veröffentlichte zehn Forderungen an die Bundesregierung, um der "Straflosigkeit männlicher Gewalt" ein Ende zu setzen. 

Zahlreiche weitere Prominente sind von Deepfakes betroffen. RTL bezieht sich auf Auswertungen von KI-Forensikern des Unternehmens Leak.red, laut denen unter anderem gefälschte Abbildungen von Vanessa Mai, Mia Julia, Evelyn Burdecki oder Sophia Thomalla im Netz kursieren. Wie Jens Kramosch von Leak.red inFranken.de erklärt, sind auch Privatpersonen nicht vor Deepfakern gefeit. Doch manche machen es den Kriminellen leichter als andere.

Experte erklärt: Welcher Content ist für Deepfaker besonders interessant?

Je mehr Abbildungen es von einer Person im Netz gibt, desto einfacher haben es Faker, falschen Content von ihr zu erstellen. "Heute postet man ja wirklich gefühlt zehn Mal am Tag", beschreibt Kramosch den von ihm beobachteten Trend. Dabei komme es auch darauf an, "wie interessant" der Content ist. "Wenn man viel Kontext mit KI hinzufügen kann, ist es natürlich sehr interessant", führt Kramosch aus. Optimal seien auch Abbildungen, die wenig Rechenleistung der KI erfordern: Bilder vor einem einfarbigen Hintergrund seien von einer KI leichter zu bearbeiten, als solche mit vielen Details, so Kramosch.

Da es ein großes Interesse für pornografische Inhalte gebe, seien grundsätzlich Menschen besonders interessant, die "Bikini-Figuren" haben, fügt er hinzu. Zwei Hauptmotivationen treiben Deepfaker dem Experten zufolge an: einer Person schaden, oder Content generieren, den jemand anderes kauft. Prominente Menschen seien dabei besonders begehrt, da Interessierte eher deren Namen auf Plattformen suchen, erklärt er weiter. Besucherzahlen können demnach für Stars wie Paris Hilton und Co. "immens" sein. "Landen Webseiten-Betreiber bei den Ergebnissen ganz oben, verdienen sie mit den Werbeerlösen durch die Aufrufe Geld."

Warum ist die Löschung von Deepfakes so schwer?

Viele Betroffene kämpfen vergeblich dafür, die gefälschten Inhalte von ihnen aus dem Netz zu bekommen. "Entweder die Plattform hat kein Interesse, oder der Webhost, bei dem die Dateien liegen, ist in einem Land, das keinen Fokus auf Urheber- oder Persönlichkeitsrechte in Deutschland legt", erklärt der Experte. Erschwerend komme hinzu, dass Webseitendomains heutzutage einfach auf Kryptobasis mit Fakenamen zu bestellen seien. "Es ist sehr schwierig, diese Leute zu finden."

Betroffene sollten die Fälle dennoch in jedem Fall zur Anzeige bringen. Auch gebe es Anbieter wie Leak.red, die unter anderem Content verifizieren und Contentlöschungen beauftragen können.