Bis Ende Juli wurden in der Statistik politisch motivierter Straftaten 130 Delikte gegen Schwule, Lesben sowie Bi-, Trans- und Intersexuelle erfasst, wie aus einer am Mittwoch bekannt gewordenen Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Politikers Volker Beck hervorgeht. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 102 Straftaten.

Die Zahl der Gewaltdelikte hat den Angaben zufolge von 22 im Zeitraum 2016 auf 33 in diesem Jahr zugenommen. Allein 29 Körperverletzungen wurden demnach gezählt. Genötigt oder bedroht wurden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in sieben Fällen.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) nannte den Anstieg der Straftaten "beschämend". Es bleibe eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Homosexuelle nicht nur rechtlich gleichzustellen, sondern dass sich dies auch im alltäglichen Leben niederschlägt. Vor der Sommerpause hatte der Bundestag noch die "Ehe für alle" beschlossen. Schwule und Lesben können künftig heiraten wie Mann und Frau.
Beck sagte, die Zunahme der Straftaten sei ein Armutszeugnis für die Präventionsarbeit der Bundesregierung. Der Lesben- und Schwulenverband forderte ein Bund-Länder-Programm zur Prävention und konsequenten Verfolgung homophober Taten. Dies müsse Aufgabe der nächsten Bundesregierung sein. Der Verband geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Straftaten gegen Homosexuelle noch deutlich höher liegt, weil es eine große Dunkelziffer gibt.