Ankunft des Regionalexpress aus Nürnberg heute um 12.15 Uhr auf Gleis 9. Otto Ziegler, Mitarbeiter des Mobilitätsservice am Würzburger Hauptbahnhof informiert sich rechtzeitig, wann seine Kundschaft eintrifft. Die ist nämlich auf Gedeih und Verderb auf ihn angewiesen. Volker Schlegel beispielsweise. Der ist vollständig blind und braucht beim Umsteigen eine Hand, die ihn führt. Heute zum Zug Richtung Stuttgart auf Gleis 4.



Otto Ziegler kennt seinen Kunden bereits, weil der öfter auf dieser Strecke unterwegs ist. Der frühere Lokomotivführer schätzt den Blinden, weil der stramm vor dem Zug stehen bleibt und seinen weißen Stock hochhält. Für die Helfer der Bahn ist er so leicht auszumachen. Es geht beim DB-Mitarbeiter untergehakt weiter Richtung Gleis 4, ein kurzer Plausch bis der Zug einfährt, dann weiter Richtung Stuttgart.

Blinde wie Volker Schlegel müssen ihre Reise genau planen. Mindestens 24 Stunden vorher beim Mobilitätsservice der Bahn anrufen, damit die Hilfe rechtzeitig zur Stelle ist. Das gilt im Prinzip auch für anderweitig Behinderte, Rollstuhlfahrer zum Beispiel. 4600 solcher Anmeldungen hat es im Jahr 2012 in Würzburg gegeben, erklärt der stellvertretende Bahnhofsmanager Mike Junghans. Dazu kommen noch einmal 4700 Aufträge, die im gleichen Jahr spontan zu erledigen waren. Acht Mitarbeiter arbeiten die eingehenden Hilfsanträge ab. In Stoßzeiten, wenn bis zu 50 Auftrage täglich anfallen, hilft auch die Bahnhofsmission mit.

Wenn zum Beispiel Mobilitätsservice oder Sicherheitsdienst auf die Schnelle einer jungen Mutter mit ihrem Kinderwagen helfen oder einem älteren Zugreisenden beim Tragen schwerer Koffer, da das Förderband mal wieder nicht funktionieren will.

Unbefriedigende Situation
Keine befriedigende Situation, wie Junghans bereitwillig einräumt. Wenn sich ein alter Mann mit Stock mühsam schnaufend die vielen Stufen zu den Gleisen emporquält, eine Mutter nicht weiß, wie sie mit ihrem Kinderwagen den hohen Einstieg des ICE überwinden soll, oder ein älterer Herr, der einer jungen Frau beim Tragen hilft und krebsrot im Gesicht anläuft, dann wird der Missstand überdeutlich.

Abhilfe kommt, heißt es. Der Würzburger Hauptbahnhof soll großzügig umgebaut werden. Insgesamt 32 Millionen Euro werden unter anderem in den Neubau der Bahnsteigunterführungen inklusive Aufzuganlagen gesteckt. Bis zur Landesgartenschau im Jahr 2018 soll auch der Würzburger Hauptbahnhof barrierefrei sein.

Hoffen darf man auch andernorts in Franken. Der letzte Kabinettsbeschluss der Staatsregierung sieht vor, auch die Bahnhöfe in Coburg, Schweinfurt, Schwabach, Ebenhausen und Pleinfeld bis 2018 barrierefrei auszubauen. 60 Millionen Euro wurden genehmigt, für insgesamt 26 Bahnhöfe. Hier dauert der Hürdenlauf also maximal noch fünf Jahre.