Es begann mit den Dingen, die er nicht wegwerfen wollte: Robert Rührschneck, 67 Jahre alt, fand schon immer, dass alte Teile oft wertvoller sind als neue. Deshalb hat der gelernte Dekorationsmaler Stemmeisen, Hacken oder Messer nie weggeschmissen, sondern repariert und geschliffen.

"Ich hab immer aus alten Sachen was gemacht", sagt der Mann, der mit seinem Rauschebart ausschaut wie eine Mischung aus Nikolaus und Almöhi - schwer vorstellbar, dass er vor gut zehn Jahren noch als Grafiker in der Werbung arbeitete. "Mit 50 hatte ich keine Lust mehr auf die Wegwerfgesellschaft mit Billigprodukten, Billigfleisch - und dass ich dafür noch werben sollte." Er suchte eine Arbeit, die zu ihm passt. Und zu seinem alten Haus, das 1846 am Rand von Stein bei Nürnberg als Gastwirtschaft gebaut worden war. Rührschneck verfiel auf die Idee, Scherschleifer zu werden. "Schneidwerkzeugmechaniker heißt das neudeutsch, da muss man aber mehr können. Hier hab ich keinen gefunden, der mir's beibringt." Rührschneck hatte gut verdient und einiges gespart, so dass der Schwedenfan es sich leisten konnte, dort das Scheren- und Messerschleif-Handwerk zu lernen.
Er legte sich Profi-Maschinen zu. Aber reicht das Schleifhandwerk zum Leben? Ein Lachen zuckt im Rauschbart: "Jaja! Gut, die ersten Jahre nicht. Wenn man sich über zehn Jahre hinweg Kunden aufgebaut hat, geht das gut. Die Leute brauchen uns." Uns? Sohn Stefan Rührschneck, 38, hat das Geschäft weitgehend übernommen. Er schleift nicht nur zu Hause in der Werkstatt, sondern auf Märkten in ganz Franken.

"Elektrische Heckenscheren sind eine seiner Spezialitäten", sagt der Senior über seinen Sohn. Sensen, Rasenmäherklingen, Scheren, Messer - die Scherenschleifer bringen alles wieder in Schuss. Vorausgesetzt, es ist guter Stahl. "Geraffel schleifmer net!" Rührschneck zeigt die dicke Klinge eines Messers: "Was für ein Prügel!" Der Griff ist grau, die Nieten rausgefallen. "Das war in der Spülmaschine. Es steht auch ,spülmaschinenfest' drauf. Die schreiben gern lauter freundliches Zeug drauf auf ihre billigen Messer." Eine Zahl, die die Stahlqualität angibt, fehlt. Billiger Stahl lohne die Arbeit nicht. Mehr als fünf Euro sei das Messer nicht wert, für's Schleifen ("grundsätzlich nass") müsste er aber einen Zehner verlangen. Statt das billige Messer zu schleifen, hat Rührschneck dem Kunden bei Ebay ein gebrauchtes Damatsmesser herausgesucht.

"Vieles ist heute nur gestanzte Billigware. Es soll ja alles nichts mehr kosten. Schade drum, wenn Rohstoffe so verschwendet werden. Stahl hamwer genug. Aber es kostet auch Energie. Schlimm." Da widmet er sich lieber einer schweren Papierschere, die arg angegammelt aussieht. Er streicht mit zwei Fingern über die Klinge. "60 oder 80 Jahre alt ist die und von sehr guter Qualität! Eine Schere lebt. Je mehr man wegschleift, desto mehr verändert sie sich", sagt er und wirft die Schleifmaschine an.

Professor Rolf Steinhilper von der Uni Bayreuth spricht im Interview über die Wegwerfgesellschaft.

Hier finden Sie den Artikel: Der Hightech-Reparierer!