Der Aufsichtsratschef der Karstadt Warenhaus GmbH, Stephan Fanderl, sagte der Tageszeitung «Die Welt» (Donnerstag), dabei gehe es auch darum, die Häuser zu identifizieren, die «trotz aller gemeinsamen Bemühungen nicht zu drehen sind». Für diese Filialen schloss der Manager schmerzhafte Konsequenzen bis hin zur Schließung nicht aus.

«Hier ist die Frage unabweisbar, ob sie grundsätzlich oder in der bisherigen Form weiter betrieben werden können», sagte Fanderl über die Problemfilialen. Bei den anderen Standorten gehe es darum, sie zügig wieder auf eine positive Bahn zu bekommen. Viel Zeit räumt der Chefkontrolleur der neuen Warenhauschefin Eva-Lotta Sjöstedt für den heiklen Auswahlvorgang nicht ein. «Wir haben wenig Zeit. In zwei bis drei Monaten sollte der Plan stehen,» sagte Fanderl.

Der Chefkontrolleur betonte, die Überprüfung solle im Schulterschluss mit den Arbeitnehmervertretern erfolgen. «Wir haben einen Arbeitsprozess mit den Arbeitnehmervertretern vereinbart, in dem wir das Standort für Standort abarbeiten.»

Diese Darstellung stieß bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf Verwunderung. Verdi-Sprecherin Christane Scheller sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Es bleibt dabei, wir verhandeln über Standortsicherung und Beschäftigungssicherung. Wir verhandeln nicht über einzelne Filialschließungen.»

Der Handlungsdruck auf die Karstadt-Führung ist groß. Denn die Sanierungsbemühungen der vergangenen Jahre haben nach Einschätzung des Chefkontrolleurs nicht die erhofften Erfolge gebracht. Das Weihnachtsgeschäft habe unter den Planungen gelegen, sagte Fanderl. Karstadt werde auch 2014 wieder rote Zahlen schreiben. «Wir verdienen mit den Warenhäusern kein Geld.»

Von der früheren Ikea-Managerin Sjöstedt, die ihr neues Amt am 24. Februar antritt, erwartet der Chefkontrolleur schnelle Erfolge. «Es müssen in diesem Jahr erhebliche Ergebnisverbesserungen erkennbar sein. Ein Geschäftsjahr wie 2013 wollen wir uns nicht noch einmal leisten.»

Bei der Neuausrichtung habe der Konzern in den vergangenen Jahren einige Fehler gemacht, räumte der Aufsichtsratschef ein. Karstadt habe versucht, mit neuen Marken im Modebereich jüngere Kundengruppen anzusprechen. Dies sei jedoch nicht in dem Tempo gelungen wie erhofft. Gleichzeitig habe man aber Stammkunden vergrätzt. Auch im boomenden Online-Geschäft hinkt Karstadt Fanderl zufolge hinterher. Während andere Online-Händler mit zweistelligen Zuwachsraten glänzen, musste der Online-Auftritt von Karstadt im Weihnachtsquartal sogar leichte Umsatzrückgänge hinnehmen.