Vor allem das schwierigere Geschäft mit Industriechips drückte auf die Bilanz, zudem belastete ein Steuereffekt den Dax-Konzern zum Auftakt des Geschäftsjahres 2011/2012. Dennoch sieht Konzernchef Peter Bauer das Unternehmen weiter auf einem guten Weg. «Infineon ist trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds weiterhin sehr profitabel», sagte Bauer am Mittwoch in München bei der Vorstellung der Quartalszahlen.

Seine ohnehin eher trübe Prognose für das gesamte Jahr veränderte Bauer nicht - zu unsicher sind nach wie vor die Aussichten für die Weltwirtschaft. Auch für das im Januar gestartete zweite Quartal erwartet Bauer gleichbleibende Umsätze oder einen leichten Rückgang. In den ersten drei Monaten des seit Oktober laufenden Geschäftsjahres sank der Umsatz des Münchner Unternehmens von 1,038 Milliarden Euro im Vorquartal auf 946 Millionen Euro - ein Rückgang von fast 9 Prozent. Der Gewinn schrumpfte unter dem Strich um 23 Prozent auf 96 Millionen Euro. An der Börse kamen die Zahlen dennoch gut an.

Infineon hatte nach dem vergangenen Rekordjahr bereits die Erwartungen gedämpft und mit Blick auf die trüberen Aussichten und die ungelöste Eurokrise tiefgestapelt. Für das gesamte Jahr rechnet der Konzern seit November mit einem Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich. Vor allem die anhaltende Unsicherheit wegen der Eurokrise treibt den Manager um. «Die Politik hat sich in den vergangenen Wochen nicht immer glücklich verhalten», sagte Bauer.

Statt an gemeinsamen Konzepten für Europa zu arbeiten, erlebe er eine «Nationalstaaterei», die einen raschen Weg aus der Krise eher unwahrscheinlich mache. Für das eigentliche Geschäft seines Konzerns bleibt Bauer zuversichtlich, vor allem mit Blick auf die mittel- und langfristige Zukunft der Branche. Angesichts der boomenden Automärkte und der wachsenden Nachfrage nach moderner Technik für den Ausbau erneuerbarer Energien rechnet Infineon langfristig mit Wachstum.

Gerade dafür sei das Unternehmen nach dem Umbau der vergangenen Jahre gut gerüstet. Vor allem die Geschäfte mit der Autoindustrie machen Bauer froh, auch in der Unterhaltungsbranche sieht er erste Stabilisierungszeichen. «In unseren Märkten für Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit will Infineon auch künftig profitabel wachsen», sagte Bauer. Gerade die Halbleiterbranche spürt als Zulieferer für viele Industrien das wirtschaftliche Auf und Ab besonders früh und gilt als ein Gradmesser für die Konjunktur.

Bauer hatte den jahrelang kriselnden Konzern grundlegend umgebaut und kleiner gemacht, um Infineon von diesen branchentypischen starken Schwankungen deutlich unabhängiger zu machen - bisher mit Erfolg. Infineon hatte nach einer jahrelangen Durststrecke im Geschäftsjahr 2009/2010 erstmals wieder Gewinne geschrieben und das zweite Mal in seiner Geschichte überhaupt eine Dividende gezahlt. Der Konzern war 1999 aus dem Siemens-Konzern ausgegliedert worden. 2009 war das Unternehmen von der Pleite der Speicherchiptochter Qimonda beinahe mit in den Abgrund gerissen worden. Seither geht es bergauf.