Bei einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands wurden 1507 erwerbstätige Teilnehmer*innen zum Arbeiten im Homeoffice und dessen Auswirkungen befragt.

Viele Personen, die für eine längere Zeit im Homeoffice arbeiten, werden früher oder später mit psychischen Problemen konfrontiert. So gab fast jede*r dritte Beschäftigte an, der/die im Homeoffice oder mobil arbeitet, sich allein oder isoliert zu fühlen. 

Homeoffice: Erschöpfung, Gereiztheit, Isolation 

Für jede*n Achte*n, also 12 Prozent, stellt die Arbeit Zuhause eine psychische Belastung dar. André Siegl, Arbeitsschutzexperte des TÜV-Verbands, weiß wieso: "Eng getaktete Videokonferenzen, kaum Pausen und die fehlenden persönlichen Kontakte führen bei vielen Beschäftigten im Homeoffice zu Erschöpfung, Gereiztheit oder Gefühlen der Isolation. Die Arbeitszeit nimmt zudem zu, da Laptop und Diensttelefon oft bis in die späten Arbeitsstunden eingeschaltet sind. Das klassische Ausstempeln an der Stechuhr gibt es nicht mehr". 

Hinzu kommen ergonomisch unzureichend eingerichtete Arbeitsplätze und der Bewegungsmangel. Zwei von drei Arbeitnehmer*innen klagen über zu wenig körperliche Bewegung, wenn sie häufig im Homeoffice arbeiten und mehr als jede*r Dritte nimmt tatsächlich an Gewicht zu. "Wenn tägliche Arbeitswege wie der Gang oder die Fahrt mit dem Rad zur Arbeit wegfallen, macht Homeoffice dick“, so Siegl. 

Nur jede*r zweite Befragte hat einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz mit Bürostuhl, Schreibtisch, externer Tastatur und großem Bildschirm zu Hause. Ein nicht ausreichend gesundheitlich ausgerichteter Arbeitsplatz kann körperlichen Beschwerden, wie Kopf- und Rückenschmerzen, muskulären Verspannungen und brennenden Augen führen. Auch Siegl sieht das Problem: "Nach zwei Jahren Pandemie mit langen Homeoffice-Zeiten sind viele Arbeitnehmer körperlich und mental angeschlagen". So erhöhe eine Kombination aus psychischen und physischen Belastungen die Gefahr von langwierigen Erkrankungen und auch von Burnout.

Soziales Miteinander wird bedeutsamer

Vieles spricht also dafür, dass Arbeitgeber*innen die Arbeitsorganisationen nach dem Auslaufen der Homeoffice-Pflicht überarbeiten sollten. Damit sind vor allem arbeitsrechtliche Regelungen zum mobilen Arbeiten, die Ausstattung der Homeoffice-Arbeitsplätze und die Arbeit in den Büroräumen gemeint. Diese seien laut Siegl besonders wichtig, da dort neben der Arbeit auch das soziale Miteinander der Kolleg*innen immer bedeutender wird. Anreize wie neue Sitzecken im Büro, großzügige Kaffee-Küchen und flexible Workshop-Räume sollten deshalb von Unternehmen in Betracht gezogen werden.

Mindestens genauso wichtig für eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur sind fürsorgliche und unterstützende Vorgesetzte, die andere in Entscheidungen miteinbeziehen. Die Unterstützung kann schon dabei beginnen, Fortbildungen zum Zeit- und Selbstmanagement, zur Stressbewältigung und zur Gesundheitsförderung anzubieten, sowie Regeln für eine rücksichtsvolle interne Kommunikation festzulegen. Auch Siegl vertritt diese Meinung: "Arbeitspsychologische Angebote sollen selbstverständlich sein und von den Arbeitnehmern jederzeit anonym in Anspruch genommen werden können". Nur so könne mit schwierigen Situationen besser umgegangen werden.

Außerdem wurde durch die Umfrage bekannt, dass fast jede*r vierte Beschäftigte vor dem Auslaufen der Homeoffice-Pflicht ausschließlich im Homeoffice oder mobil arbeitete und weitere 21 Prozent waren zum Arbeiten abwechselnd im Homeoffice und im Büro.

Welche Corona-Regeln nun am Arbeitsplatz gelten, erfährst du hier.