Ingenieur Rudolf Diesel, der vor mehr als 100 Jahren lebte, wäre hin- und hergerissen von dem, was am Mittwoch in Berlin passiert. Sein Name ist derzeit in aller Munde. Eine Affäre, die nach ihm benannt ist, führt nun zu einem "Diesel-Gipfel". Viel Aufmerksamkeit, die leider zugleich geeignet ist, das Ansehen einer bahnbrechenden Erfindung zu beschädigen.


Eine Frage des Geldes

Was in der Debatte um dreckige Luft und Schadstoffausstoß leicht vergessen wird: Das Problem ist nicht der Dieselmotor. Das Problem sind die illegalen Abgas-Praktiken der Autohersteller. Es ist möglich, Dieselmotoren so zu bauen, dass sie die vorgegebenen Grenzwerte erreichen. Doch das ist eine Frage des Geldes. Mit Betrügereien wollten die Autohersteller Produktionskosten sparen, um ihre Renditen noch höher zu schrauben. Dafür sollten sie nun auch allein zur Verantwortung gezogen werden und die erforderlichen Nachrüstungen, die sicherlich über Software-Updates hinausgehen, komplett bezahlen. Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Städten hingegen treffen die Falschen und sind zudem aus gesellschaftlicher Sicht wenig praktikabel. Handwerk und Logistik würden schwer beeinträchtigt. Die Rechnung müsste am Ende wieder der Bürger begleichen.


Jahrzehnte älter

Eines steht aber schon vor dem Gipfel fest: Auch wenn die Elektromobilität noch einige Wünsche offen lässt, setzen inzwischen alle Autobauer darauf. Eine späte Genugtuung für Hermann von Jacobi. 1834, 24 Jahre vor Rudolf Diesels Geburt, entwickelte er den ersten praxistauglichen Elektromotor. Dieser wurde später von den Verbrennungsmotoren ins Abseits gedrängt. Jetzt kehrt er zurück.