Es begann mit den Dingen, die er sich nicht leisten konnte: Eine Canon Ixus 400 kostete vor acht Jahren ein Vermögen für Jakob Dral, der damals noch Technikschüler in Erlangen war. Er ersteigerte die Kamera bei Ebay. Kaputt, aber billig. "Ich hab' immer gern Sachen repariert", erzählt der heute 32-Jährige. Fernbedienung, Toaster, Waschmaschine - früher legte er den halben Haushalt auseinander. "Das heißt nicht, dass ich alles reparieren konnte. Aber beim Reinschauen lernt man was." Als er sehr genau in die kaputte Kamera "reinschaute" (also das Gerät in alle Einzelteile zerlegte), entdeckte er ein Sandkorn. Und damit die Lösung eines Problems, das bei diesem Modell weit verbreitet ist.

2006 meldete er seinen Reparaturservice an. "20 Kameras ankaufen, reparieren und verkaufen ist nicht mehr privat. Ich brauchte einen Gewerbeschein." Er reparierte neben der Technikerschule, später neben dem Job bei Siemens - irgendwann arbeitete er täglich 16 Stunden, auch am Wochenende. "Ich musste mich für eines entscheiden. Und das hier hat deutlich mehr Geld gebracht." Er zeigt auf das Regal mit Ordnern, Paketen und Boxen voller winziger Ersatzteile für Handys und Kameras. Auf dem geräumigen Tisch stehen drei Computerbildschirme. Pinzetten, aufgereiht wie Chirurgenbesteck. Ein Lautsprecher, aus dem leise die Band Radiohead klingt. Dral hat den Schritt nicht bereut. "Ich wollte meinen Arbeitsplatz mit dem Fahrrad erreichen." Er grinst. Sein Werkstatt-Büro ist Teil seiner geräumigen Wohnung in Buckenhof bei Erlangen.

Fast 11 500 Geräte hat er inzwischen repariert. Die Kunden füllen auf Drals Internetseite einen Auftrag aus, bekommen eine Bestätigung und stecken diese samt defektem Gerät in ein Päckchen. Der Techniker erkennt das Problem oft schon beim Auspacken. "Beim iPod Touch ist immer die Front kaputt." Die wird angehebelt und runtergerissen ("das knallt dann schon richtig") - ohne das Gerät zu beschädigen. Bei manchen Kameras geht immer ein Zahnrädchen kaputt. Dral bestellt Original-Ersatzteile aus China und zerlegt die Kamera. "Ich kenne in Bayern sonst keinen, der das macht. Die Fotogeschäfte schicken mir die Sachen zum Reparieren. Die können nur das Objektiv tauschen." Reparabel seien 95 Prozent der kaputten Geräte. "Wasserschäden schließe ich aus. Wenn einem das Handy ins Klo fällt und er ist clever, schmeißt es gleich in Reis und bringt es zwei Tage später, dann sind die Chancen groß, zumindest die Daten zu retten."

Manche Reparatur lohnt sich nicht mehr. "Ein Jahr bei einem Telefon ist wie 100.000 Kilometer bei einem Auto. Ein vier Jahre altes Telefon ist wie ein Auto mit 400.000 Kilometern." Die Produktlaufzeiten werden kürzer, die Geräte verändern sich. "Erst waren sie geschraubt, dann geclipst, jetzt geklebt. Den nächsten Schritt kann man sich ausmalen: geschweißt - das ist dann ein Teil." HTC plant angeblich ein Handy, das sich nur mit einem Spezial-Kleberentferner öffnen lässt. "Fünf Liter sollen 2500 Euro kosten. Wenn das kommt, ist es vorbei."

Professor Rolf Steinhilper von der Uni Bayreuth spricht hier im Interview über die Wegwerfgesellschaft.

Hier finden Sie den Artikel: Reparieren - eine Marktlücke!