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Corona-Kurzarbeitergeld: Steuerzahlern drohen 2021 Nachzahlungen

Millionen Beschäftigte in Deutschland befinden sich aktuell in Kurzarbeit: Im kommenden Jahr droht einigen von ihnen ein böses Erwachen - Steuernachzahlungen drohen.
Millionen deutsche Beschäftige befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Foto: Jens Büttner/dpa

Beschäftigte, die aufgrund der Corona-Krise in Kurzarbeit sind, könnte im Jahr 2021 eine Steuernachzahlung erwarten. Seit Beginn der Pandemie haben Betriebe bislang für mehr als zwölf Millionen Menschen Kurzarbeitsverhältnisse angemeldet. Das geht aus Daten der "Bundesagentur für Arbeit" hervor, die im mittelfränkischen Nürnberg bekannt gegeben wurden. Zu den 11,8 Millionen Kurzarbeitern, die im März, April und Mai 2020 registriert wurden, kamen demnach im Juni 2020 nochmals Anzeigen für 342.000 Beschäftige hinzu. 

Die Betroffenen sind für das kommende Jahr verpflichtet eine spezielle Steuererklärung abzugeben. Grundsätzlich gilt: Kurzarbeitergeld ist steuerfrei, ähnlich wie Eltern- oder Arbeitslosengeld. Aber: Die Anrechnung erfolgt entsprechend dem Steuersatz. Dahinter verbirgt sich der Begriff des sogenannten "Progressionsvorbehaltes". Dabei handelt es sich um eine Steigung des Steuersatzes. "Entgelt-, Lohn- und Einkommensersatzleistungen, wie Arbeitslosengeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld oder das Elterngeld, der Aufstockungsbetrag bei Altersteilzeit und bestimmte Einkünfte bleiben bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens zwar außer Ansatz. Durch ihre Berücksichtigung im Rahmen des sog. Progressionsvorbehaltes beeinflussen sie jedoch den Steuersatz und damit die Einkommensteuer", heißt es von Seiten des "Bayerischen Landesamtes für Steuern".

Steuernachzahlungen: Droht Kurzarbeitern 2021 das böse Erwachen?

Der höhere Steuersatz wird schlussendlich auf das gängige Einkommen angewendet, nicht auf das steuerfreie Kurzarbeitergeld. Hierbei spielt wiederum eine Rolle, wie viel Lohnsteuer der jeweilige Beschäftige bereits vor der Corona-Krise gezahlt hat. "Wer in bestimmten Monaten ausschließlich Kurzarbeitergeld bezogen hat, also null Stunden gearbeitet hat, und übrige Monate des Jahres voll gearbeitet hat, der wird in der Regel eine Steuererstattung bekommen", erklärt Uwe Rauhöft vom "Bundesverband Lohnsteuerhilfeverein" der Tagesschau. Hintergrund dessen ist, dass der Beschäftigte auf komplette Jahr gerechnet insgesamt zu viel Lohnsteuer bezahlt hat.

Jedoch: Wer nicht komplett in Kurzarbeit ist oder war, dem droht wohl eine Steuernachzahlung. 

"Der Arbeitsmarkt ist wegen der Corona-Pandemie weiterhin unter Druck. Der massive Einsatz von Kurzarbeit stabilisiert aber den Arbeitsmarkt", so Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzende der "Bundesagentur für Arbeit". Bislang ist unklar, wie lange Betriebe ihre Beschäftigen noch in Kurzarbeit schicken müssen.

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Die Politik hat das Problem bereits erkannt: Die große Koalition erarbeitet offenbar eine Ausnahmeregelung bezüglich des "Progressionsvorbehaltes" in der Corona-Krise. CDU/CSU und SPD wollen in den kommenden Wochen einen entsprechenden Entwurf vorlegen. Im Raum steht, die Regelung einmalig auszusetzen. 

Die Regierungsparteien haben bereits ein Konjunkturpakt für die Corona-Krise verabschiedet. Dieses beinhaltet unter anderem eine zeitweise Senkung der Mehrwertsteuer und eine Erhöhung der Kfz-Steuer.