Aachen
Tischgeld

Corona-"Coperto": Bäckereicafé verlangt Hygiene-Tischgebühr - und erntet Shitstorm

Ein Bäckereicafé in Aachen hat kurzfristig ein Tischgeld verlangt. Grund dafür waren Hygiene-Mehrkosten durch die Corona-Krise. Der Aufschrei im Netz ließ nicht lange auf sich warten.
Das Bäckereicafé verlangte für kurze Zeit ein "Coperto". Symbolfoto: unsplash.com

Die Bäckerei "Nobis" aus Aachen hat mit einer Maßnahme in der Corona-Krise für einen Aufschrei in den sozialen Netzwerken gesorgt. Kürzlich beschloss die Bäckerei in einer Filiale, einem Bäckereicafé, ein "Coperto" zu verlangen -  ein was bitte?

Ein "Coperto", ein sogenanntes Tischgeld, ist in Italien gängig. Vor allem in Restaurants handelt es sich um eine Art Grundgebühr für Gedeck und Brot, die auf der Rechnung zu finden ist. Wird kein "Coperto" verlangt, werden laut generellem "Knigge" zehn Prozent Trinkgeld fällig. Die Begründung: Das Eindecken stellt einen Mehraufwand dar, welcher das "Coperto" rechtfertigt. 

Corona-Aufschlag in Bäckereicafé: Wo liegt das Problem?

Einen solchen Mehraufwand haben mittlerweile auch gastronomische Betriebe, wie beispielsweise Bäckereicafés. Die "Nobis"-Filiale in Aachen führte für kurze Zeit ein Zwei-Euro-Tischgeld pro Tisch und 50-Cent-Tischgeld pro Person am Tisch ein. Hintergrund dessen waren die zusätzlichen finanziellen Belastungen durch die Corona-Auflagen. Desinfektionsmittel muss beispielsweise bereitgestellt werden. Darüber berichten unter anderem die Aachener Nachrichten

In Folge der Einführung entflammte in den sozialen Netzwerken ein Shitstorm gegen die Bäckerei. Nutzer empörten sich über die Erhöhung. Begriffe wie "Schweinerei" oder "Abzocke" fielen in den Kommentarspalten. Das Tischgeld wurde wieder abgeschafft

Die Bäckerei reagierte aber nicht nur mit der Abschaffung, sondern auch mit einem Statement. Man werde nun doch keine "Aufwandsentschädigung" verlangen. Das tue man trotz der aktuellen Belastung: "Auch wenn wir Bäcker im Gegensatz zur allgemeinen Meinung erheblich unter der Corona-Krise leiden [...] und mit höheren Kosten für über das normale Niveau hinausgehende Hygiene- und Schutzmaßnahmen kämpfen müssen", werde man diesen Schritt gehen.

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Der "Deutsche Hotel- und Gaststättenverband" betont indes: "Die Gesundheit der Gäste und Mitarbeiter hat oberste Priorität", sagt "Dehoga"-Präsident Guido Zöllick. Somit ist für die Gastronomie, also auch das Bäckereicafé in Aachen, klar, dass die Hygienemaßstäbe eingehalten werden müssen. 

Der Kunde scheint allerdings kaum bereit, mehr Geld ausgeben zu wollen. Während der Friseurbesuch mittlerweile fünf Euro mehr kostet und die Lebensmittelpreise in Supermärkten steigen, ist ein kleiner Beitrag zur Anschaffung von Desinfektionsmittel offensichtlich zu viel verlangt.

Auf Facebook kritisiert ein Nutzer die Doppelmoral vieler Konsumenten, sich nicht mit "Sars-CoV-2" anstecken zu wollen, aber auch nichts zahlen zu wollen. Er entschuldige sich für die "Ignoranz und den Egoismus" vieler. "Dass Sie transparent sein wollten und die Tischgebühren nicht wie auf übliche Weise in den Einzelpreisen versteckt haben, mussten sie viel Kritik einstecken. Dies finde ich nicht fair. Ebenso die Tischgebühr an sich finde ich richtig, 1. Haben Sie Mehraufwand und 2. Mehrkosten. Die Müssen irgendwie umgelegt werden", empört er sich. 

Ein weiteres Thema, was in der Corona-Krise die Gemüter erregt hat, ist die Maskenpflicht. Ein fränkischer Bäcker kritisiert diese. Er sagt: "Es ist fast unerträglich, kaum auszuhalten" und spricht von einer "mittleren Katastrophe".