Die deutschen Bauern bleiben nach den Dürre-Einbußen 2018 vorsichtig bei den Erwartungen für dieses Jahr. «Wir müssen mit einer Prognose noch abwarten», sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur.

Für die Ernte komme es nun auf das Wetter in den nächsten zwei, drei Wochen an. Dabei bereiteten ihm Vorhersagen für die kommenden Tage gerade etwas Bauchweh, sagte Rukwied. «Sollten wir tatsächlich tropische Temperaturen von 35 Grad und mehr bekommen, würde das die Ernteerträge drücken. Denn wir sind jetzt in der wichtigen Kornausbildungsphase beim Getreide.»

Im Großteil der Republik sei im Mai nur so viel Regen gefallen, dass es für die Pflanzen gerade reichte. In manchen Regionen besonders im Norden und Nordosten gebe es keine Feuchtigkeitsreserven in den Böden. Bei vielen Gemüsebauern seien im trockenen Vorjahr hohe Kosten durch extra Bewässerung angefallen. «Das war jetzt bis dato nicht so, aber der Sommer steht noch bevor.» Für Mais, Gras als Tierfutter, Zuckerrüben oder Kartoffeln seien der Juli und August entscheidend.

Nachwirkungen der Trockenheit in vielen Regionen schlagen nun auch auf die Bilanz des Wirtschaftsjahres 2018/19 durch, das am 30. Juni endet. «Wir gehen insgesamt von rückläufigen Unternehmensergebnissen aus, die natürlich stark dürrebedingt sind», sagte Rukwied. Viele Ackerbauern hätten erhebliche Ernte-Ausfälle gehabt, die sich nicht kompensieren ließen. Trotz relativ stabiler Preise zeichne sich auch bei Milchbauern ein Minus ab. «Futterkosten sind angestiegen, zum Teil herrscht nach wie vor Futterknappheit.» Bund und Länder hatten Dürrehilfen von jeweils bis zu 170 Millionen Euro bereitgestellt.

Im Geschäftsjahr zuvor waren die Gewinnpolster der Landwirte noch insgesamt gewachsen. Im Schnitt legten die Ergebnisse 2017/18 im Schnitt um fast ein Fünftel auf 65 200 Euro je Betrieb zu. Seit März gebe es nun eine Erholung der Preise für Ferkel und Mastschweine, sagte Rukwied. «Das war auch dringend notwendig, damit die Schweinebetriebe wieder eine gewisse Luft zum Atmen bekommen.»



Mit Blick auf politische Erwartungen an die Branche sagte der Bauernpräsident: «Wir sind Betroffene des Klimawandels, das haben wir im vergangenen Jahr bei der Dürre gesehen. Aber wir sind auch Teil der Lösung.» Er hob das erklärte Ziel hervor, Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Großes Potenzial liege im Ausbau der Bioenergie. Ansatzpunkte gebe es zum Beispiel auch bei Abdeckungen von Güllebehältern.



Der Verband kritisierte die von der Bundesregierung vorgeschlagenen zusätzlichen Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers. «Jetzt sollen Regeln in einer Art und Weise erneut geschärft werden, die fachlich einfach nicht richtig ist. Das verstehen wir nicht», sagte Rukwied. Man könne nicht verlangen, Pflanzen 20 Prozent unter ihrem Bedarf zu düngen. Das führe zu Mangelerscheinungen und niedrigeren Erträgen. «Am Ende kommen wir in eine Spirale nach unten, der Anbau von Brotgetreide ist dann gefährdet.»

Der Bauernpräsident betonte zugleich: «Wo der Nitratgehalt im Grundwasser zu hoch ist, müssen wir etwas tun, das ist keine Frage.» Hierfür könnte beispielsweise Gülle aus Tierhaltungsregionen in Ackerbauregionen transportiert und dort ausgebracht werden. «Wichtig ist auch, die besonders belasteten "roten Gebiete" genauer abzugrenzen als bisher.» Die EU-Kommission hatte Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte verklagt und 2018 beim Europäischen Gerichtshof Recht bekommen. Sie verlangt nun zusätzliche Dünge-Beschränkungen.