Künftig soll den Gläubigern 95 Prozent des Unternehmens gehören, der Rest von 5 Prozent würde sich dann auf die bisherigen Aktionäre verteilen. Darauf habe man sich mit den wichtigsten Gläubigern geeinigt, teilte Q-Cells am Mittwoch in Bitterfeld-Wolfen mit. Die Altaktionäre, deren Papiere seit 2007 mehr als 99 Prozent ihres Wertes verloren hatten, würden damit weitgehend aus der Gesellschaft herausgedrängt.

Q-Cells mit seinen 2000 Beschäftigten ist in extremer Finanznot. Es hat nach eigenen Angaben kein Eigenkapital mehr. Gleichzeitig werden drei Wandelschuldverschreibungen im laufenden Jahr sowie 2014 und 2015 fällig. Wenn es keine Einigung gibt, droht die Insolvenz. Dann würden die Aktionäre voraussichtlich komplett leer ausgehen. Die Q-Cells-Aktie sprang am Mittwoch um mehr als ein Viertel nach oben und notierte bei gut 0,42 Euro. In der Spitze war das Papier aber einst mehr als 80 Euro wert.

Dem geplanten Schulden- und Kapitalschnitt müssen die Aktionäre, die Inhaber der sogenannten Wandelanleihen und die zuständigen Behörden noch genehmigen. Die Wandelanleihen sind Papiere, die eine Umwandlung der ausgereichten Kredite in Aktien ermöglichen. Allein das im Februar fällige Papier hat ein Volumen von rund 200 Millionen Euro. Die Besitzer der Anleihen sollen neben den Aktien auch 20 Millionen Euro als Rückzahlung bekommen. Weitere Auszahlungen könne es geben, wenn es nach dem Verkauf nicht-betriebsnotwendiger Unternehmensteile noch ausreichende Liquidität gebe. Berater schätzten den Betrag auf bis zu 200 Millionen Euro.

Q-Cells bewertete die Restrukturierung positiv: Damit könne das Unternehmen künftig nahezu schuldenfrei im Markt agieren, hieß es. Die Anleiheninhaber seien nach einer Überprüfung des Geschäftsplans zu dem Schluss gekommen, möglichst viele Mittel im Unternehmen zu belassen. In den Jahren 2013 bis 2015 würden dann wieder positive Ergebnisse erwartet. Die Restrukturierung soll in der zweiten Jahreshälfte 2012 erfolgen. Man sei davon überzeugt, damit die Grundlagen für ein konkurrenzfähiges Unternehmen in einem global schnell wachsenden Markt zu schaffen.

Der Solar-Konzern war ähnlich wie andere Firmen in der Branche in den vergangenen Jahren durch starke Konkurrenz aus Asien, aber auch durch die unsichere Förderungspolitik in vielen Ländern unter Druck geraten. Vergangene Woche hatte sich die Lage zugespitzt. Ende 2011 verfügte der Konzern nach Bilanzvorschriften des Handelsgesetzbuches über kein Eigenkapital mehr, erklärte das Unternehmen. Ein Plan zur Einigung über einen gemeinsamen Gläubiger-Vertreter scheiterte am Landgericht Frankfurt/Main. Bereits im Sommer war ein Sparprogramm aufgelegt worden.