Abschwächung des chinesischen Marktes, mehr Frauen als Käuferinnen gewinnen und autonomes Fahren - das sind die Themen, die Ola Källenius, den ehemaligen Chef der Mercedes-Tochter AMG, aktuell umtreiben.

Herr Källenius, Ihr Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche hat jüngst geäußert, Frauen wären "das nächste China". Fühlen Sie sich mit dieser Vorgabe als Vertriebsvorstand unter Druck gesetzt?

Källenius (lacht): Nein, ganz sicher nicht. Aber wir haben festgestellt, dass wir noch besser werden können, wenn es darum geht, Frauen als Kundinnen zu gewinnen.

Wollen Sie ein Frauenauto bauen?

Källenius: Nein, es gibt keine typischen Frauenautos mehr. Aber bei der Vielzahl unserer Modelle findet mit Sicherheit jede Frau etwas für ihren Geschmack. Deshalb wollen wir mit gezielten Marketing- und Vertriebsaktivitäten die weibliche Zielgruppe ansprechen. Unser Lifestyle-Kalkulator ist zum Beispiel eine solche Initiative.

Was muss man darunter verstehen?

Källenius: Wenn uns der Kunde seinen Lebensstil verrät, können wir ermitteln, welches Fahrzeug am besten zu ihm passt. Das kann bei der Kaufentscheidung eine wichtige Hilfe sein.

Aktuell hat man den Eindruck, dass bei Mercedes eher die Männer durch die sportlichen AMG-Fahrzeuge angesprochen werden. Geht das nicht zu Lasten der Serienautos?

Källenius: Das ist eine andere Maßnahme, mit der wir das Segment unserer Performance-Marke ausbauen wollen. AMG hat 2010 noch 10.000 Fahrzeuge verkauft, in diesem Jahr sind es 50.000. Jetzt wollen wir die Lücke zwischen den Topmodellen und den stärksten Serienmodellen schließen.

In China waren gerade die Topmodelle in den letzten Jahren die Renner. Haben Sie aufgrund der schwächeren Konjunktur dort Sorgen bezüglich des Absatzes?

Källenius: Nein, überhaupt nicht. Wir halten an unserer Prognose fest, 2015 in China mehr als 300.000 Fahrzeuge zu verkaufen. Dabei kommt uns entgegen, dass wir dieses Jahr zum Jahr des SUV ausgerufen haben. Und in China liegt diese Sparte voll im Trend.

Wagen Sie eine Aussicht für 2016?

Källenius: Dazu ist es zu früh, aber wir wollen in China auch im nächsten Jahr weiter wachsen.

Stichwort autonomes Fahren: Wie sehen Sie hier die Entwicklung?

Källenius: Der Weg dorthin ist ein evolutionärer Prozess, der über immer mehr Fahrassistenzsysteme zum Ziel führt. Ich sehe hier in den nächsten fünf bis zehn Jahren einen rasanten technischen Fortschritt. Schon in der nächsten E-Klasse wird es etwas geben, das die Welt verblüffen wird.

Können Sie uns mehr verraten?

Källenius: Könnte ich, aber um es öffentlich zu machen, ist es noch ein wenig zu früh. Warten Sie ab.

Viele Assistenzsysteme sind nur als Sonderausstattung erhältlich. Werden die häufig nachgefragt?

Källenius: Ja, vor allem bei den oberen Baureihen. In den nächsten Jahren werden solche Fahrhilfen aber mehr und mehr in die Serie einfließen. Da haben wir ja bereits vorgemacht.

Wann rechnen Sie mit dem ersten voll-autonomen Fahrzeug von Mercedes?

Källenius: Das kann ich nicht seriös beantworten. Da müssen zuvor noch viele ethisch-moralische und rechtliche Fragen geklärt werden. Die Technik wird schneller sein. Aber wir sind mit dem Gesetzgeber in einem ständigen Dialog.