Zwei Monate lang waren die rund 150 000 Beschäftigten des kriselnden Traditionskonzerns aufgerufen, ihr Gewissen ohne Angst vor Strafe zu erleichtern. Strafrechtliche Vorwürfe waren von der Amnestie jedoch ausdrücklich ausgenommen.

Wer nicht von der Amnestie-Offerte Gebrauch gemacht hat, muss nach den Worten des Konzernchefs mit «null Toleranz» rechnen. Bei der Aufdeckung weiterer Kartell-und Korruptionsfälle drohten jetzt massive Konsequenzen rechnen - bis hin zu Schadenersatzansprüchen oder dem Verlust des Arbeitsplatzes, hieß es. Die Ergebnisse der Offenbarungsaktion sollen nun ausgewertet werden, kündigte ein Sprecher auf Anfrage an.

Der von einem Milliarden-Desaster um fehlgeschlagene Stahlwerksinvestitionen in Übersee gebeutelte Konzern war in der Vergangenheit bereits von mehreren Kartell- und Korruptionsfällen betroffen.

Erst im Februar dieses Jahres war Hiesinger von neuen Durchsuchungen des Kartellamts unliebsam überrascht worden. Vor dem Hintergrund von möglichen Kartellabsprachen bei Autoblechen hatte das Bundeskartellamt Büros von ThyssenKrupp sowie der Konkurrenten ArcelorMittal und Voestalpine unter die Lupe nehmen lassen.

Wenige Wochen später hatte der Essener Stahlriese dann die bis zum 15. Juni befristete Amnestie verkündet. Der durch eine anonyme Anzeige ins Rollen gebrachte aktuelle Kartellfall zum Thema Autobleche ist bislang noch nicht aufgeklärt.