Ruft ein Schwede in Treppendorf an und möchte eine Gitarre kaufen. "Hej!", begrüßt Per im fernen Süden den Kunden aus dem hohen Norden und nimmt die Bestellung entgegen - in der gemeinsamen Muttersprache. Der Schwede könnte auch Franzose sein. Oder Pole, Spanier, Grieche, Däne. Er braucht nur die entsprechende Nummer zu wählen und landet in der internationalen Hotline des Musikhauses Thomann bei einem Landsmann: Mit 13 Sprachen können 45 Mitarbeiter aus 19 Nationen dienen.

Sie teilen sich mit über 100 Kollegen aus der deutschen Hotline ein weitläufiges, helles Großraumbüro. Wo die internationale Abteilung anfängt, sieht man gleich: Über den Schreibtischen hängen Länderflaggen, die Uhren an den Wänden zeigen die Zeiten aller Kontinente. Kollegen mit derselben Sprache sitzen in Teams zusammen.
Die größten mit je sieben Leuten sind die Franzosen und die Spanier. "Das waren unsere ersten Märkte im Ausland", sagt Abteilungsleiterin Emily Harvey. Muttersprachler - "native speaker" - als Kundenberater ans Telefon zu setzen, war für das international agierende Musikhaus aus dem Landkreis Bamberg ein logischer Schritt. "Es ist wichtig, dass wir Leute aus anderen Ländern haben, die die Sprache und die Kultur verstehen und am besten selbst Musiker sind", ergänzt Eric Fontana, Schweizer und Harveys Stellvertreter. "Sie wissen, wie die Kunden ticken."

Die ausländische Hotline startete 1999 mit spanisch und französisch, in den vergangenen Jahren kamen Portugal, Griechenland, Dänemark, Finnland, Schweden, Italien, Niederlande und Großbritannien mit je zwei bis drei Mitarbeitern hinzu. Für Polen, Rumänien und die Tschechische Republik sitzt je ein Mann am Telefon.


Spanier sind das bunteste Team



Das bunteste Team ist das spanische: mit Spaniern, klar, aber auch einem Mexikaner, einem halb Argentinier/halb Griechen (der manchmal in der griechischen Hotline aushilft), einem Peruaner, einer Rumänin und der Bambergerin Katja Sarigül. Die Fremdsprachenkorrespondentin für spanisch ist seit drei Jahren dabei und sagt: "Die Zusammenarbeit ist einfach klasse".

Während sie sich nur aus der Stadt Bamberg in den Landkreis bewegen musste, haben andere Kollegen für den Job ihre Heimatländer verlassen. Adrian Sardi zum Beispiel kam vor einem Jahr aus Rumänien. Er fühlt sich wohl hier, sagt er auf englisch, sein Deutsch ist noch nicht so gut. Sardi, Bassgitarrist, wohnt in Bamberg, das erinnert ihn an die mittelalterlichen Städte im heimischen Transsylvanien. Seine Arbeit gefällt ihm: "Die Atmosphäre ist schön", sagt er, "so multikulturell. Du lernst neue Dinge kennen".

Sein griechischer Kollege Petros Malmpontis lebt schon seit elf Jahren in Deutschland. Er hat in Mainz studiert und ist Diplomübersetzer. Seit 2010 arbeitet er in Treppendorf und wohnt wie Sardi in Bamberg. Auch er schätzt die Arbeit "in einer sehr spannenden Branche", den Kontakt zu anderen Musikern - er ist DJ - und zu seinen Landsleuten. "Mit Griechen oder Finnen kann ich im Gespräch gleich persönlich werden", ist Malmpontis Erfahrung. "Mit Engländern musst Du erst Smalltalk betreiben."


"Fränkisch verstehe ich gut"



Per Tomasson, Schwede und ebenfalls Neu-Bamberger, hat seinen Job auf der Durchreise bekommen. Er hat sich "mal was für die Gitarre" im Musikhaus gekauft und gefragt, ob er Chancen als Mitarbeiter hätte. Hatte er. So brach er seine Zelte im hohen Norden ab und ist im kleinen Treppendorf glücklich: "Ich bin Musiker und kann jeden Tag mit Musikern und Instrumenten arbeiten."

Ihm gefällt die nette Atmosphäre im Büro, der Kontakt mit anderen Ländern und Sprachen. "Ich bin jeden Tag aufs Neue überrascht von den Kulturen", sagt Tomasson und zählt auch das Fränkische dazu. Das versteht er nämlich gut. Aber neulich war er mal in Hamburg: "Da habe ich nichts verstanden", sagt er und schmunzelt.


Kollegen als Ersatzfamilie



Auf die Deutschkenntnisse von Tomasson ist Emily Harvey stolz. Die Engländerin, die 2006 in der internationalen Hotline anfing und die Abteilung seit 2010 leitet, spricht selbst perfekt deutsch. Damit sich ihre Mitarbeiter fern von Heimat und Familie schneller integrieren, organisiert die Chefin zweimal pro Woche Sprachunterricht, einmal im Jahr einen Ausflug für alle und Kulturabende für das gegenseitige Verständnis. "Viele Mitarbeiter verbringen auch ihre Freizeit miteinander oder feiern gemeinsam Weihnachten", erzählt Harvey. Sie helfen sich beim Umzug, manche spielen gemeinsam in Bands. Und alle sagen Du zueinander. "Die Abteilung ist so etwas wie eine Ersatzfamilie."

Obwohl in der Hotline unentwegt geredet wird, ist es gar nicht laut. Untereinander verständigen sich die Kollegen auf englisch oder, wenn sie es schon beherrschen, auf deutsch. Mit den Kunden wird es dann international. Wenn die Mitarbeiter über ihre Headsets die Telefonate annehmen und zur Beratung an je zwei Bildschirmen die Internetseiten ihrer Firma nach Gitarren oder Mischpulten durchstöbern, schwirren bunte Sprachfetzen durch die Luft. Hier ein Buenos dias, dort ein Bonjour: "Ich liebe es, durch die Abteilung zu laufen und die verschiedenen Sprachen zu hören", sagt Harvey.

Sie will, wie der Schweizer Fontana, der Grieche Malmpontis, der Rumäne Sardi und der Schwede Tomasson, "lange hierbleiben. Ich brauche kein großes London, um mich wohlzufühlen." Ihre Wohl-Gefühle sind die Arbeit, das Team und - die Mittagspause im Wald gleich hinter dem Firmengelände. Sowas gibt's halt nur in der fränkischen Prärie.