Die absolute Mehrheit für die Union war am Sonntag zumindest in Franken überhaupt keine Frage: In den drei fränkischen Regierungsbezirken holte sich die CSU wie 2009 erwartungsgemäß alle Direktmadate und knüpfte nahtlos an den Sieg bei der Landtagswahl eine Woche zuvor an.

Die Ergebnisse aus Franken spiegeln den Bundestrend wider: Gewinne für die großen und Verluste für die meisten kleinen Parteien, dazu eine gelungene Premiere für die AfD (Alternative für Deutschland), die vielfach die katastrophal einbrechende FDP überflügelt. Während die 16 erfolgreichen Direktkandidaten für den Bundestag aus Franken, die wir auf dieser Seite im Bild und im Kurzportrtät zeigen, am Sonntagabend schon die Sektkorken knallen lassen konnten, blieb es für zahlreiche Listenkandidaten ebenso spannend wie für Kanzlerin Merkel. Die Auszählung der Stimmen dauerte bei Redaktionsschluss noch an; das komplizierte Auswertungsverfahren nach dem neuen Wahlrecht mit Überhang- und Ausgleichsmandaten bringt es mit sich, dass die genaue Zusammensetzung des neuen Bundestages wohl erst am heutigen Montag feststeht. Und damit auch, wer von den Listenbewerbern ebenfalls das Ticket nach Berlin bestellen kann.


Thomas Silberhorn

Thomas Silberhorn aus Bamberg, Direktkandidat der CSU, setzte sich mit mehr als 52 Prozent Stimmenanteil klar an die Spitze. In die Freude über den persönlichen Erfolg und das "grandiose" Abschneiden der Union insgesamt mischt sich Unsicherheit, wer nun in Berlin das Sagen hat: Können CDU und CSU alleine regieren? Oder brauchen sie einen Koalitionspartner, und wenn ja: Wer wird es sein? "Wir haben alle Zeit der Welt, und es wird Gespräche in jede Richtung geben", sagt Silberhorn, der durchklingen lässt, dass er eine Neuauflage der Großen Koalition für die "machbarste Variante" hält, weil die SPD der Union programmatisch doch sehr viel näher stehe als etwa die Grünen.


Klaus Ernst

Die Große Koalition sieht auch Klaus Ernst aus Schweinfurt am Horizont, "das kleinere Übel" im Vergleich zu einer Alleinregierung. Der ehemalige Bundesvorsitzende der Linkspartei, über die Liste wieder in den Bundestag gewählt, jubelte am Sonntagabend über zwei Ergebnisse: das Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde und das gute Abschneiden der Linken. "Wir sind einer der Gewinner der Wahl, und die Tragweite dieses Ergebnisses wird sich in den nächsten vier Jahren zeigen." 2017, so prophezeit Ernst, wird die Option Rot-Rot-Grün kein Tabu mehr sein, auch nicht in der SPD. "Dann gibt es endlich eine regierungsfähige soziale Kraft in diesem Land als echte Alternative zum bürgerlich-konservativen Lager." Das hätte sie diesmal schon sein können, doch dies hätten die Agenda-Politiker der SPD mit ihrem kategorischen Nein zur Zusammenarbeit mit den Linken verhindert. "Wie bescheuert muss man eigentlich sein, wenn man an einen Sieg von Rot-Grün glaubt", wundert sich Ernst.


Sebastian Körber

Gewundert hat sich am Sonntagabend auch Sebastian Körber aus Forchheim, der bisher für die FDP im Bundestag saß und jetzt wieder ehrenamtlich Politik machen muss. "Nach dem historischen Erfolg 2009 hat niemand mit so einem Absturz gerechnet", sagt Körber. Er kündigt eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Desaster innerhalb der FDP an. "Wir müssen die Fehler bei uns selber suchen." Die Partei habe es nicht verstanden, ihre Politik und ihre Erfolge in den letzten vier Jahren dem Wähler nahe zu bringen. "Das ist heute nicht der Ende der Liberalen, aber wir brauchen einen Neuanfang."

Alle Ergebnisse der fränkischen Stimmkreise für die Bundes- und Landtagswahlen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Kandidaten finden Sie auf dieser Seite.