Franken wird dieser Tage seinem Ruf als eine der trockensten und heißesten Gegenden im Land vollauf gerecht. Seit April kaum Regen, dafür große Hitze, auch nachts kaum Abkühlung. Da leiden Mensch und Pflanzern gleichermaßen. Auch in den Weinbergen bedroht die anhaltende Trockenheit den Bestand. Seit vier Wochen bewässert die Winzerin Kerstin Laufer in Unterhaid (Landkreis Bamberg) in der Lage "Röthla" ihren zwei Hektar großen Weinberg. Eine Tropfenbewässerungsanlage ist schon länger installiert, das benötigte Wasser wird mit einem Tankwagen vom Main geholt, auf den Weinberg gefahren und von dort in das Schlauchsystem gepumpt. Aus kleinen Löchern tropft das Wasser dann gezielt auf die Rebstöcke.


Ranken sterben ab

Bei Temperaturen über 30 Grad sorgt die 26-Jährige einmal in der Woche dafür, dass rund neun Liter Wasser an jeden Rebstock kommen. Ansonsten sterben bei der Hitze die Ranken ab, müssen die Trauben noch stärker zurückgeschnitten werden als für eine Verbesserung der Qualität eh schon nötig. Ohne Bewässerung dürften die fränkischen Winzer auf Dauer nicht mehr klar kommen. Das sieht man auch beim fränkischen Weinbauverband und bei der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau so. Die Landesanstalt lässt wissen, dass derzeit bereits ein Sechstel des fränkischen Weinanbaugebiets bewässert wird - also etwa 1000 Hektar. Langfristig sollten alle Weinberge in Franken bewässert werden, so die Experten. Sonst könnte der Klimawandel den Weinanbau in Franken gefährden.


Thermometriemessung

LWG-Experte Daniel Heßdörfer ist auch für die Thermometriemessung im Weinberg zuständig. Dabei wird der Temperaturunterschied an der Blattoberfläche gemessen, um rechtzeitig etwas über einen möglichen Wassermangel bei den Weinstöcken in Erfahrung zu bringen. Gemessen wird dabei digital und aus der Luft, mithilfe einer Drohne.
Auch über neue Bewässerungsmöglichkeiten macht man sich in Franken Gedanken. Ein Wassermanagementsystem speziell für Weinberge existiert in Volkach bereits. In der Lage "Kirchberg"sorgen drei Speicherbecken dafür, dass dank des im Winter gesammelten Wassers im Sommer die Bewässerung der Weinberge keine Probleme macht und gleichzeitig eine Begrünung erfolgen kann. Damit will man der Erosion begegnen. Technisch ist also für Frankens Winzer schon einiges möglich, um dem Klimawandel zu begegnen. Der sorgt auch dafür, dass sich in Franken die Zeit der Lese immer weiter nach vorne verschiebt. Heuer um mehr als drei Wochen. Kerstin Laufer will mit der Lese der früher reifen Sorten Bacchus und Regent bereits am 20. August beginnen. So früh startete die Lese noch nie. Alles der Hitze der letzten Wochen geschuldet, die die Trauben wesentlich früher reifen ließ. Das hat auch die Urlaubspläne der jungen Winzerin durcheinandergebracht. Eigentlich hatte sie im August schon einen Urlaub in Kroatien gebucht. Für Winzer an sich eine gute Zeit, weil wenig los. Nicht so in diesem Jahr. Den geplanten Urlaub musste Kerstin stornieren