Warum eine Allgemeine Erklärung der Menschenrechte? Warum Nürnberg als eine Stadt der Menschenrechte? Fragen, die sich mit Hilfe eines Rückblicks in die jüngere deutsche Vergangenheit leichter beantworten lassen.
Für den Abend des 15. September 1935 war der Reichstag telegrafisch nach Nürnberg einberufen worden. Die Abgeordneten verabschiedeten im Verlauf des 7. Reichsparteitags der NSDAP in der Frankenmetropole unter anderem das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre", sowie das "Reichsbürgergesetz". Beide Gesetze erlangten später als Nürnberger Gesetze traurige Berühmtheit. Die antisemitische Ideologie der Nazis hatte damit eine juristische Grundlage gefunden. In der Folge wurden Ehen zwischen Juden und Nichtjuden verboten, Juden durften keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden. Die Entrechtung der Juden nahm ihren Lauf.

1941 mussten sie den Judenstern im gesamten Reichsgebiet tragen. 1942 folgte die Wannseekonferenz, mit den Beschlüssen zur "endgültigen Lösung der Judenfrage" in den Konzentrationslagern des Ostens. Die Erklärung der Menschenrechte durch die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen war eine direkte Reaktion auf die Geschehnisse in Nazi-Deutschland und die schreckliche Barbarei im Verlauf des Zweiten Weltkriegs. Verkündet im Jahr 1948, wurde hier in 30 Artikeln ein internationaler Menschenrechtskodex geschaffen. Es war der sich immer mehr zuspitzende Ost-West-Konflikt, der einen völkerrechtlich bindenden Charakter der Erklärung verhinderte.

Und später zu weiteren Erklärungen zu Menschenrechten führte, die zum Teil erheblich von der UN-Version aus dem Jahr 1948 abwichen. So zum Beispiel die Kairoer Erklärung der Islamischen Konferenz. Hier wurde 1990 weder eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen zugestanden, noch das Recht auf freie Wahl der Religion oder des Ehepartners. Statt dessen das Menschenrecht unter den Vorbehalt der islamischen Scharia gestellt.


Die Stadt Nürnberg hat ihre eigenen Schlüsse aus ihrer Rolle während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gezogen. Sie will selbst einen aktiven Beitrag zum Frieden und zur Verwirklichung der Menschenrechte leisten. So wurden unter anderem die Straße der Menschenrechte, ein Mahnmal für die Würde des Menschen sowie das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das über die Zeit des Nationalsozialismus in Nürnberg informiert, errichtet. Zudem wird seit 1995 der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis an Personen verliehen, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen. Auch die evangelische und die katholische Kirche engagieren sich für die Menschenrechte. Drängen auf deren Einhaltung.

So plädiert Bambergs Erzbischof Ludwig Schick in der aktuellen Flüchtlingspolitik für eine Erhöhung des Kontingents syrischer Flüchtlinge. Die Kirche sei auch zu praktischer Hilfe bereit, so Schick. Ein früherer Kindergarten oder ein nicht mehr genutztes Pfarrhaus könnten gut als Unterbringungsmöglichkeit für Flüchtlinge dienen, erklärt das Bistumsoberhaupt. Allerdings gelte es hier einige bürokratische Hürden zu überwinden, ehe die Flüchtlinge endlich ein Dach über dem Kopf hätten. Da, wo es richtig "brennt", im Erstaufnahmelager in Zirndorf etwa, sind die beiden großen Kirchen ebenfalls präsent. Müssen die Kapelle im Lager, die eigentlich der Meditation und Besinnung dient, immer wieder für Bettenlager räumen, weil der Flüchtlingsstrom immer stärker anwächst. Die dortigen Zustände veranlassten den Bischof zu einem Brief an die zuständige Ministerin, mit der Bitte um baldige Abhilfe. Die Politik habe reagiert und geholfen, so Schick.

Die Kirche sieht sich in der Menschenrechtsfrage in einer Vorreiterrolle. Für Bambergs Erzbischof auch eine wichtige Erziehungs- und Bildungsaufgabe. Schick wörtlich:"Wir müssen die Menschenrechte in Herz, Kopf und Handeln der Menschen bringen." Im Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) in Nürnberg, der katholischen Akademie des Erzbistums, bilden die Menschenrechte einen Arbeitsschwerpunkt der Bildungsarbeit. Rechtzeitig zum heutigen "Tag der Menschenrechte" konnte CPH-Direktor Siegfried Grillmeyer den dritten Band der Reihe "Grundkurs Menschenrechte" vorstellen. Auch wenn man sich primär als Bildungseinrichtung verstehe, würde hier durch das Aufzeigen von Menschenrechtsverletzungen zu konkreten Aktionen und damit zum Handeln angeregt. Mit Initiativen wie "Freund statt fremd" will die Kirche darüber hinaus die Menschen zusammenbringen. Und Vorbehalte gegenüber Ausländern erst gar nicht aufkommen lassen.

Info:
Wesentliche Artikel der Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948

Artikel 1 Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

Artikel 3 Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 5 Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.

Artikel 7 Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz.

Artikel 9 Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden.

Artikel 13 Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen.

Artikel 14 Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.
Artikel 18 Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung.

Artikel 23 Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.

Artikel 25 Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet.

Artikel 26 Jeder hat das Recht auf Bildung.