Dem Vorsitzenden der Linken in Nordrhein-Westfalen, Rüdiger Sagel, geht es zuerst um die strikte Trennung von Kirche und Staat. Aber auch darum, Muslime in der bundesrepublikanischen Gesellschaft nicht zu diskriminieren. Deshalb solle, so Sagels Forderung, der heilige Martin als zentrale Festfigur aus Kindergärten und Kitas verbannt werden.

Eine städtische Kindertagesstätte in Bad Homburg, hat diese Forderung umgesetzt. Statt des Martinsfestes feierten die Mitarbeiter dort ein Sonne-Mond-und Sterne-Fest. Kritische und zum Teil empörte Reaktionen auf beide Vorstöße ließen nicht lange auf sich warten. Entsprechend schnell versuchte die Linke zurückzurudern. Auch Sarah Wagenknecht sah in Sankt Martin ein "interkulturelles Fest", das die Linke nicht abschaffen wolle. Der Sprecher des Erzbistums Bamberg, Harry Luck, kommentierte die Diskussion mit dem Hinweis, in den 380 Kindergärten und Kindertagesstätten, die sich im Erzbistum in Trägerschaft der katholischen Kirche befänden, würde die Pflege katholischer Traditionen selbstverständlich hochgehalten. Die anstehenden Martinszüge bildeten dabei stets einen der Höhepunkte im Kindergartenjahr.

An diesen Umzügen könnten auch problemlos muslimische Kinder teilnehmen, befand der Zentralrat der Muslime. Dessen Vorsitzender Aiman A. Mazyek sprach gar davon, dass das Leben von St. Martin auch für Muslime geradezu vorbildlich sei. Der Gedanke des Teilens spiele auch im Islam eine große Rolle.

Wichtig ist das auch für Gabriele Folkerts, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Martin in Herzogenaurach. Bei der Figur des heiligen Martin werde der humanitäre Gedanke des Helfens ins Zentrum gestellt. Für Kinder sei das besonders wichtig. Professor Konstantin Lindner, Religionspädagoge an der Uni Bamberg, weist darauf, hin, dass das Martinsfest Ausdruck dessen ist, was Christentum bedeutet - Zuwendung und Wertschätzung für den anderen, auch für Muslime. Eine plurale Welt sollte mit einem solchen Fest gut leben können.

Im Internet reißen unterdessen die Kommentare zur geforderten Abschaffung des Martinsfestes nicht ab. Kathrin S: "Ich kenne keinen der hier ansässigen Muslime, der etwas gegen unsere Traditionen hat." Shahana M:"Völliger Schwachsinn! Die Intention der Geschichte ist wunderschön."