Die SPD hat bereits elf Monate vor der Landtagswahl den Startschuss zum Wahlkampf gegeben und bereitet sich auf eine sehr harte Auseinandersetzung vor. SPD-Chef Sigmar Gabriel und der Landesvorsitzende Florian Pronold attackierten die CSU am Sonntag beim Landesparteitag in Nürnberg mit großer Schärfe. "Das, was vor uns liegt, ist ein Höllenritt", sagte Pronold.

Das ist ein Kampf gegen das große Geld und die Arroganz der Macht." Der Bundesvorsitzende Gabriel warf Seehofer und der CSU vor, sie seien "machtversessen und machtvergessen". Das sei der Grund für die jüngsten Niederlagen der CSU bei Kommunalwahlen.

Niemand in der deutschen Politik sei so beliebig wie CSU-Chef Horst Seehofer, spottete Pronold. "Keiner gewinnt den Wettbewerb um den schnellstdrehenden Wetterhahn Deutschlands so sicher wie Horst Seehofer", meinte Pronold zur Wende Seehofers in der Euro-Krise. Der CSU-Chef hatte am Freitag erstmals zusätzliche Hilfen für Griechenland nicht mehr ausgeschlossen, obwohl die CSU das bislang strikt ablehnte. "Die CSU ist hundert Prozent Opportunismus", sagte Pronold. "Mehr Schein als Sein, das ist das Grundprofil der CSU", sekundierte Gabriel. Ude sei der "berühmteste und erfolgreichste Oberbürgermeister Deutschlands". Zu dem Parteitag kamen 300 Delegierte und mehrere hundert Gäste.


Ude will den Machtwechsel in Bayern schaffen



Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) wurde von seiner Partei fast einstimmig zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2013 gewählt. 288 der 289 SPD-Delegierten stimmten für den 64-Jährigen. Ude sicherte den Bürgern einen ehrlichen Wahlkampf zu. "Ich verspreche nur Verbesserungen, die wir auch tatsächlich realisieren können."

Der Münchner Oberbürgermeister kündigte vor der Eröffnung des Parteitags eine elfmonatige Kampagne in allen Landesteilen an, um nach über einem halben Jahrhundert den Machtwechsel in Bayern zu schaffen. Zu den hohen Umfragewerten der CSU sagte Ude: "Umfragen kann man kaufen, Wahlen nicht." Wahlsiege könne man nur bei der Bevölkerung erreichen, doch die Grundlage dafür auf Parteitagen legen. "Es ist ein wichtiger Tag, weil die Signale, die von hier ausgehen, wirklich überzeugend sein müssen", sagte Ude.

Glaubt man der SPD in Bayern, steht Landtagsspitzenkandidat Christian Ude vor schweren Zeiten: "Ein Bergauf-Kampf ist immer schwer", sagt der frühere Landesvorsitzende Ludwig Stiegler. Ude selbst macht sich ebenfalls keine Illusionen: "Der gesamte Staatsapparat ist ihre Klaviatur", sagt er über die CSU.

Ude kann den SPD-Parteitag als Zeichen der Ermutigung werten. Die SPD hat für ihre 300 Delegierten nur einen mittelgroßen Saal angemietet. Der stellt sich als zu klein heraus, weil mehrere hundert Gäste gekommen sind. Der Berliner SPD-Bundesvorstand hat nach Angaben der bayerischen Genossen inzwischen eingesehen, dass er die Parteispitze Bayern nicht mehr wie in früheren Jahren vernachlässigen darf. SPD-Chef Sigmar Gabriel hält eine schwungvolle Rede.

Ude will sich auch sonst in jeder Hinsicht von der CSU absetzen. Er skizziert ein vorsichtiges Wahlprogramm - Verbesserungen statt radikaler Änderungen. "Bayern ist ein Land mit vielen Stärken, aber es ist kein Land im Gleichgewicht", sagt Ude über die Diskrepanz zwischen boomenden Städten und den von allmählicher Entvölkerung bedrohten Landkreisen im Norden und Osten Bayerns. Leere Versprechen will er nicht abgeben. "Das ist mir das Allerwichtigste: Glaubwürdigkeit und Vertrauen da wieder herzustellen, wo sie beschädigt worden sind."

So sind die Wahlkampfpunkte, die Ude nennt, auch alles andere als spektakulär: Er will unter anderem die Studiengebühren abschaffen und verlangt einen Masterplan für die Energiewende. Doch die Bescheidenheit der Ziele, glaubt Ude, sei letztlich eine Stärke: "Ehrlich währt am längsten, das ist meine feste Überzeugung."

In der jüngsten Umfrage lag ein mögliches SPD-geführtes Dreierbündnis mit 38 Prozent klar hinter der CSU, die demnach derzeit allein 48 Prozent erzielen würde. Doch davon will die SPD sich nicht abschrecken lassen. "Wir werden zeigen, dass wir es ernst meinen, dass wir kämpfen wollen, dass wir gewinnen wollen", sagte Generalsekretärin Natascha Kohnen. CSU-Chef Seehofer hatte für seine Partei am Samstag genau die gegenteilige Strategie ausgegeben: Er will den Landtagswahlkampf so spät wie möglich erst im August 2013 eröffnen.






Es ist SPD-Landesparteitag an einem nebligen Sonntag in Nürnberg, und Ude wird nominiert. Zum Einmarsch intoniert die Aschaffenburger Kapelle "March Mellows" ziemlich schief ein Potpourri aus "When the Saints go marching in" und anderen Evergreens. Missklänge gab es in den vergangenen Wochen auch zwischen den möglichen Koalitionspartnern SPD, Grünen und Freien Wählern.
Die Umfragen sehen nicht gut aus für Ude und ein SPD-geführtes Bündnis mit Grünen und Freien Wählern - die CSU lag in der jüngsten Erhebung alleine zehn Prozent besser als die drei Oppositionsparteien zusammen. Doch davon wollen sich Ude und die SPD nicht entmutigen lassen. "Niemand bleibt ein Jahr auf dem Gipfel", sagt der frühere Landesvorsitzende Stiegler. Damit steht Stiegler nicht allein - bei der CSU teilen mehrere Spitzenpolitiker die Befürchtung, dass der Vorsprung schwer zu halten sein werde.