Wann bei der Fußball-WM 2018 das erste Tor fällt, steht für Zuschauer, die das Fernsehsignal per Streaming empfangen, jetzt schon fest: Nämlich mindestens 20 Sekunden später. Dann erst geht der Ball auf den TV-Geräten ins Tor - bestenfalls.

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WM 2018: TV-Signal teilweise "erschreckend langsam"

Es bleibe bei der Übertragung alles beim Alten, das TV-Signal komme teilweise "erschreckend langsam" auf den Fernsehern an, sagte Ulrike Kuhlmann, Redakteurin beim IT-Fachmagazin "c't", der Deutschen Presse-Agentur. Die Redaktion hatte die Ausstrahlung über verschiedene Wege gemessen und teils bis zu 50 Sekunden Zeitunterschied festgestellt - eine halbe Ewigkeit für Fußballfans, die bei offenem Fenster auf das vom Nachbarn längst bejubelte Tor warten müssen. "Haben die Nachbarn Zugriff auf Satellitensignale, können das beim Elfmeterschießen seeehr lange Sekunden werden", sagt Kuhlmann.


Am schnellsten kommen die Tore per Satellit

Bereits zur WM vor vier Jahren hatte der Effekt des "zeitversetzten Fernsehens" bei vielen Zuschauern für Unmut gesorgt. Ganz vorne sind auch in diesem Jahr die Fans, die per Satellit empfangen. Dabei sei bei ersten Messungen das Bild in schwacher SD-Auflösung mit 4,5 Sekunden am schnellsten angekommen, obwohl dafür das ausgesendete HD-Signal noch heruntergerechnet werden müsse, sagt Kuhlmann. Dicht darauf folgt das Sat-Signal in HD, das eine halbe Sekunde später auf dem Fernsehbildschirm erscheint, aber auch mit einem deutlich besseren Bild entschädigt.


Kabel-Übertragung braucht bis zu 6,5 Sekunden länger

Wer sein TV-Programm terrestrisch über DVB-T2 HD erhält, empfängst die Ausstrahlung im ZDF (2,5 Sekunden Verzögerung zum Sat-SD-Signal) jedoch deutlich schneller als in der ARD (4,5 Sekunden zu Sat-SD). Dahinter folgt den Messungen der "c't" zufolge das Signal über Kabel. In hoher Auflösung braucht es je nach TV-Sender 6 oder 6,5 Sekunden mehr als bei Satelliten-Übertragung mit SD-Bild.


Telekom-Angebot Entertain bis zu 10 Sekunden langsamer

Noch länger müssen Nutzer des Telekom-Angebots "Entertain" auf das Tor warten. "Die Problematik ist bekannt", sagte Telekom-Sprecher Malte Reinhardt der dpa. Sie betreffe alle digitalen Übertragungswege, für die die über Satellit übermittelten Signale noch transcodiert werden müssten. Aktuell falle die Wiedergabe des TV-Bilds über das Streaming-Angebot "Entertain" etwa zwischen 8 und 10 Sekunden hinter das Sat-SD-Signal zurück. Die Telekom arbeite zwar an neuen Technologien, aber bis zur WM werde sich an der Verzögerung nichts ändern.


Wer streamt, ist abgehängt: Bis zu 50 Sekunden Verzögerung

Streaming-Anbieter, die keine Multicast-Technologie (Aussendung eines Signals an viele Kunden) verwenden, lägen aber noch weit dahinter, da könne die Verzögerung schon mal bis zu 50 Sekunden dauern, sagte Reinhardt. Auf dieses Schneckentempo kommen auch die Redakteure der "c't" in ihrem Testlabor. "Da jubeln die Nachbarn schon lange", bevor der Ball auf dem eigenen Bildschirm ins Tor gehe, sagt Kuhlmann.


"Die zeitliche Verzögerung kann man nicht wegreden"

"Wenn die Straße jubelt, weiß man, es passiert gleich was", sagt Jörg Meyer vom TV-Streaming-Anbieter Zattoo. Bei Live-Übertragungen wie der Fußball-WM könne die Verzögerung beim Streaming schon mal unangenehm auffallen, wenn die ganze Straße mitfiebere. Beim normalen TV-Programm, etwa beim "Tatort" spiele sie dagegen eher keine Rolle. "Die zeitliche Verzögerung kann man nicht wegreden."


Geschwindigkeit liegt auch am Fernseher

"Wir speichern zudem das Signal für eine flüssige Wiedergabe ein paar Sekunden auf den Endgeräten zwischen", sagt Meyer. Die Schnelligkeit hänge aber auch von Faktoren wie der Leistungsfähigkeit des Fernsehers ab. Zattoo sei aber immerhin schneller als der Live-Stream über Mediatheken von ARD und ZDF. Die "c't"-Redakteure kommen je nach Ausgabemedium auf Verzögerungen von 34 bis 46 Sekunden im Vergleich zum Sat-SD-Bild.


Streaming-Dienste arbeiten an Lösung - Waipu.tv derzeit vorn

Es gebe technisch bereits verschiedene Ansätze in der TV-Streaming-Branche, das Phänomen in den Griff zu bekommen, sagt Meyer. Spitzenreiter ist der Streaming-Dienst magine tv*, der auf einem AppleTV auf 21 Sekunden bei der ARD und 20 Sekunden beim ZDF kommt. Unterdessen ist das Streaming-Angebot Waipu.TV bereits in diesem Sommer einen großen Schritt weiter. Noch rechtzeitig zur WM will die Exaring AG "das schnellste Tor ins Wohnzimmer" bringen. Mit einer neuen Technologie werde Waipu.TV die Tore sogar noch einige Sekunden früher als im Kabel-Fernsehen zeigen können, kündigte das Unternehmen an.

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Neues Übertragungsverfahren soll Abhilfe schaffen

Der Anbieter hat dafür ein schnelles Übertragungsverfahren entwickelt und bereits international zum Patent angemeldet. "Über unser eigenes Glasfasernetz und die Vielzahl von Koppelpunkten mit DSL-Netzen können wir die Stärke unseres neuen Übertragungsverfahrens maximal ausreizen", erklärte Johannes Deisenhofer, Chef der Exaring AG. Dafür werde es zusätzlich mit intelligentem Traffic- und Routing-Management kombiniert.

Die Turbo-Übertragung soll noch rechtzeitig vor Start der WM allen Kunden zur Verfügung stehen, die das "Perfect"-Paket abonniert haben. Vorerst lässt sich das Angebot jedoch nur mit Amazons Fire TV* oder einem Fire-Tablet sowie über eine App auf Android-Smartphones nutzen.


Waipu.TV schneller als Kabelfernsehen

Sven Hansen und Ulrike Kuhlmann von der "c't" haben das neue Waipu.TV bereits im Testlabor unter die Lupe genommen: Demnach kommt es bei der Ausstrahlung sowohl in der ARD als auch im ZDF auf eine Latenzzeit von 2,3 Sekunden und liegt damit vor dem terrestrischen Signal (4,5 beziehungsweise 2,5 Sekunden) wie auch vor der HD-Ausstrahlung über Kabel (6,5 und 6 Sekunden). Schneller ist nur das Bild über Satellit (0,5 Sekunden Latenz in hoher Auflösung). Als Ausgangswert (Null) wurde auch hier das herkömmliche SD-Bild über Satellit genommen, das mit 4,5 Sekunden hinter der Echtzeit liegt. Denn ganz ohne Verzögerung geht es nur auf dem Fußballfeld.

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