Alle brauchen sie, in jedem Alter und zu jeder Zeit. Ohne geht es nicht, weder in der Schule noch im Alltag, weder dienstlich noch privat: Mathematik. Sie ist eine der ältesten Wissenschaften, kultiviert von den Ägyptern, in Mesopotamien, den Maya, Hindus, Arabern, Chinesen, Griechen und - noch gar nicht so lange her - einer Handvoll Franken.

Wohl jeder kennt den Satz "... das macht nach Adam Riese ... soundsoviel." Die Namen von jenem Adam Ries (Staffelstein), Johannes Müller alias Regiomontanus (Königsberg) und der vielleicht weniger bekannten Emmy Noether (Erlangen) sind aus der Geschichte der Mathematik nicht wegzudenken. Ihre Erkenntnisse sind in die moderne Mathematik eingeflossen, die sich im 20. Jahrhundert in die klassischen Gebiete Algebra, Geometrie und Analysis entwickelt hat.

Im 21. Jahrhundert, genauer: 2013, hat die Unesco das weltweite Jahr "Mathematics of Planet Earth" ausgerufen: Mathematiker wollen helfen, genauer in die Zukunft zu blicken. Es geht um große Fragen der Menschheit: Kann man Naturkatastrophen vorhersagen? Wie vertrauenswürdig sind Klimamodelle? Solange die Wissenschaftler an den Ergebnissen arbeiten, bleiben wir in Franken und widmen uns anderen Alltagsfragen der Mathematik: Dem Rechnen.

Weil immer noch viele Schüler über den Matheunterricht stöhnen und viele Erwachsene schlechte Erinnerungen an das Fach haben, wollen wir der zu Unrecht gescholtenen Disziplin den Schrecken nehmen. Deshalb haben wir die drei Professoren und Lehrstuhlinhaber für Didaktik der Mathematik, Hans-Georg Weigand (Würzburg), Anna S. Steinweg (Bamberg) und Thomas Weth (Erlangen) gebeten, Aufgaben zu erstellen. Dabei herausgekommen sind unten stehende Knobeleien, bei deren Lösung sich Groß und Klein den Kopf zerbrechen dürfen und im besten Fall erkennen, dass Mathe Spaß machen kann.

Kann, wohlgemerkt, nicht muss. Weth zum Beispiel sieht die Diskussion pragmatisch und weiß: "Man kann nicht jedem Spaß an Mathematik vermitteln. Das geht ja auch nicht mit Themen wie Theologie, Fußball oder Musik." Was aber klar sein muss: Mathe sei kein Zuschauersport, man muss sie sich selbst beibringen. Dabei helfen eigenverantwortliches Arbeiten, reflektiertes Üben - und ein guter Lehrer.

Wichtig: Die Lehrer-Ausbildung
Dass künftige Mathe-Lehrer "gut" werden, ist Aufgabe von Experten wie Weth, Weigand und Steinweg. "An den fränkischen Unis bemühen wir uns, Lehrer auszubilden, die Mathematik nicht nur als Regel- und Formelkatalog verstehen, sondern sie begreifen und dieses Verständnis durch einen spannenden Unterricht auch ihren zukünftigen Schülern ermöglichen", sagt Steinweg. Auch sie möchte die Behauptung, Mathe sei ein ungeliebtes Fach, nicht stehenlassen. "Kleine Kinder haben die viel zitierte Abneigung gegenüber Mathe überhaupt nicht. Sie sind neugierig auf alles und auch auf Zahlen, Rechnen und geometrische Formen."

Im Laufe der Schulzeit bilden sich aber persönliche Vorlieben aus und es gebe dann Menschen, die Mathematik an sich oder vielfach auch nur den Matheunterricht ablehnen. Da es salonfähig ist, diese Meinung zu vertreten und vielleicht auch Zuhause eine Unterstützung dieser Ablehnung erfahren wird - ,Ich fand Mathe auch immer schrecklich' - verselbstständigen sich diese Urteile nach Steinwegs Erkenntnissen.

Und trotzdem: Mathe fällt vielen schwer. Woran liegt das? Ist es wirklich so komplex, braucht man gar eine besondere Intelligenz dafür? Vielleicht wäre ja auch schon genug damit getan, einfach mehr zu üben? "Nein", sagen Weth und Weigand. "Genug üben ist nicht die Lösung." Umschreibungen wie ,selbstständiges Erarbeiten' oder ,Mathematik zum geistigen Eigentum machen' wären aus ihrer Sicht passender, um gute Noten oder Spaß an der Mathematik zu haben. Hier müsse jedoch der Schüler selbst aktiv werden. Weth und Weigand sind sich einig: "Man kann nicht erwarten, dass sich ein Schüler nur lange genug berieseln lassen und nur zuhören muss, um Mathe zu verstehen."

Beim Lernen - egal in welchem Fach - nütze es nur bedingt, wenn die Lehrperson etwas vor- und man dieses Vorgehen nachmacht, ergänzt Steinweg. Deshalb gingen die Schulen heute andere Wege in der Vermittlung von Mathematik. Schon bei einfachen Aufgaben werde nicht nur das Ergebnis gelernt. "Es werden verschiedene Lösungswege zugelassen und besondere Ideen besprochen", sagt Steinweg. Vielleicht ist das ein Grund, sinnieren die drei Professoren, dass bayerische Schüler im Pisa-Vergleich auch in Mathe ganz gut abgeschnitten haben.

Und wie schneiden unsere User und Leser ab, wenn sie jetzt die Aufgaben lösen? Nur Mut! Denken Sie einfach an die Schüler - die können's ja auch.

Die Lösung der Rätsel:

Rätsel Möbiusband: Das Möbiusband hat weder linken noch rechten Rand und weder oben noch unten, wie man feststellt, wenn man „auf dem Band entlangläuft“.

Rätsel Pizza:  Tim hat mehr als eine halbe Pizza gegessen.  7/12 ist mehr als 6/12 = 1/2 

Rätsel Haare: Ein Mensch hat maximal 120 000 Haare auf dem Kopf. Damit können höchsten 120 000 Menschen verschieden viele Haare auf dem Kopf haben! Es gibt über 6 Milliarden Menschen. Folglich gibt es sogar ziemlich viele Menschen mit gleich vielen Haaren auf dem Kopf, was aber nicht bedeuten muss, dass jeder Mensch auch einen Partner mit gleich vielen Haaren findet!

Rätsel Buch: 2. Das Buch alleine kostet den Einbandpreis plus 10 €, folglich ist der Gesamtpreis gleich zweimal den Einbandpreis plus 10 €. Der doppelte Einbandpreis beträgt also 1 €. Das Buch kostet folglich 10,50 €, der Einband 0,50 €.