Die Techniker Krankenkasse schlägt Alarm: Trotz Anhebung des offiziellen Rentenalters hören immer mehr Menschen frühzeitig auf zu arbeiten. Laut dem TK-Gesundheitsreport 2018, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, scheidet mehr als jeder zweite Erwerbstätige vor dem offiziellen Renteneintrittsalter aus dem Job aus, darunter jeder Siebte (13,5 Prozent) aufgrund von Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit oder Schwerbehinderung.

Ein weiteres Drittel der Berufstätigen, die früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden, habe zwar genug Berufsjahre zusammen, nehme aber deutliche finanzielle Einbußen in Kauf, um früher in Rente zu gehen, heißt es in dem Bericht. Das gesetzliche Renteneintrittsalter ist in den vergangenen Jahren schrittweise auf 67 Jahre angehoben worden.


Neue Herausforderung

Der Trend zur Frühverrentung sei nicht nur für die Rentenkassen, sondern auch für Arbeitgeber wegen des großen Wissensverlustes sowie für die Krankenkassen eine Herausforderung, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Techniker, Jens Baas. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen leistungsfähig bleiben und überhaupt bis zum Rentenbeginn arbeiten können."

Vor dem Hintergrund, dass jetzt die geburtenstarke Generation der sogenannten Babyboomer allmählich ins Rentenalter komme, seien Politik, Unternehmen und Krankenkassen gefragt, schnell Lösungen zu entwickeln. Das betriebliche Gesundheitsmanagement werde künftig immer wichtiger, so Baas.

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Besonders oft gehen Beschäftigte körperlich belastenden Berufen vorzeitig in Rente, sagte Thomas Grobe vom Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen, das die TK-Daten ausgewertet hat. So sei das Risiko, berufs- oder erwerbsunfähig zu werden, im Bau- und Holzgewerbe 1,8 mal höher als im Durchschnitt. Das gelte auch für Verkehrs - und Lagerarbeiter (1,6 mal höheres Risiko) sowie für Beschäftigte aus der Metallbranche (fast 1,6 mal höheres Risiko).


Gesundheit der Arbeitnehmer

Für den TK-Gesundheitsreport "Fit oder fertig" wurden Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund fünf Millionen bei der TK versicherten Personen ausgewertet. Das sind den Angaben zufolge rund 15 Prozent der in Deutschland sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Für den Themenschwerpunkt Gesundheit von Erwerbsgenerationen bildeten die 3,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 20 bis 65 Jahren über einen Zeitraum von fünf Jahren (2013 -2017) die Datengrundlage.

Dem Bericht zufolge brauchen ältere Beschäftigte die meisten Arzneimittel. Sie erhielten mit 665 Tagesdosen fast drei Mal so viel Medikamente wie der Durchschnitt der Erwerbstätigen (245 Tagesdosen). Der größte Anteil fiel auf Herz-Kreislauf-Präparate. Auch bei den Medikamenten für das Nervensystem, meist Antidepressiva, erhielten die Berufstätigen zwischen 60 und 64 Jahren im Schnitt mehr Tagesdosen als die Berufstätigen insgesamt.

"Das sind Zahlen, die uns zu denken geben sollten", sagte Baas. Es nütze nichts, das Renteneintrittsalter immer weiter hochzuschrauben, wenn schon heute nicht einmal jeder Zweite so lange arbeite. Die Gesundheit dürfe auf dem Weg zur Rente nicht auf der Strecke bleiben. "Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, muss ich das Signal senden, dass ich mich um meine Mitarbeiter kümmere - auch in gesundheitlicher Hinsicht", betonte Baas.