Stephan Leyhe sprang jubelnd in die Höhe und ließ sich von den partyverrückten Willinger Skisprung-Fans zu den Klängen von «Oh, wie ist das schön!» feiern.

Der 28 Jahre alte Lokalmatador hat ausgerechnet beim Heim-Weltcup im hessischen Upland den ersten Einzelweltcupsieg seiner Karriere gefeiert. Leyhe sprang auf der Mühlenkopfschanze 139,5 und 144,5 Meter weit und setzte sich damit vor dem Norweger Marius Lindvik und Kamil Stoch aus Polen durch. «Das ist wie ein Märchen für ihn», sagte Bundestrainer Stefan Horngacher. «Ich bin total erleichtert, dass er es jetzt geschafft hat - und dann noch auf seiner Heim-Schanze.»

Weil der Wettbewerb am Sonntag ausfällt, hat Leyhe auch die mit 25 000 Euro dotierte Willingen-Five-Wertung gewonnen. Wegen des nahenden Orkantiefs «Sabine» sei das Risiko zu groß, den Wettkampf auszutragen, teilten die Organisatoren am Samstagabend mit. «Wir würden das Risiko eingehen, dass die Leute spätestens auf dem Weg nach Hause in den angekündigten Sturm geraten», sagte Willingens Bürgermeister Thomas Trachte.

Als die Absage noch nicht feststand, sang Leyhe auf dem Siegerpodest vor 23 500 Zuschauern im ausverkauften Stadion ergriffen die deutsche Nationalhymne mit und winkte anschließend lächelnd ins völlig begeisterte Publikum. «Ich war so relaxed wie nie», sagte Leyhe ins Stadionmikrofon. «Ich konnte alles genießen.»

Der derzeit beste deutsche Skispringer war am vergangenen Wochenende im japanischen Sapporo Zweiter geworden und zeigt sich schon seit Wochen in einer super Verfassung. Wie stark das Vertrauen in den bescheidenen Hessen gewachsen ist, aber auch die sportlichen Ansprüche an ihn gestiegen sind, wurde bei der Bundestrainer-Analyse seines ersten Sprungs deutlich.

«Der Sprung war nicht ganz optimal», sagte Horngacher nach Leyhes Satz auf 139,5 Meter im ersten Durchgang, der ihm Platz zwei zur Halbzeit beschert hatte. «Das war nicht ganz das, was er eigentlich kann», sagte Horngacher und erklärte: «Der Anspruch ist immer, den Top-Sprung zu sehen im Wettkampf, und wenn ich den nicht gesehen habe, kann ich auch nicht ganz zufrieden sein.» Nach der Wettkampf-Höchstweite im zweiten Durchgang hatte der 50-Jährige nichts mehr zu meckern. «Jetzt gehen wir runter, und dann wird gefeiert», sagte Horngacher in der ARD. Weil Leyhe am Sonntag nicht mehr springen muss, könnte er es sogar richtig krachen lassen.

Als zweitbester Deutscher landete Karl Geiger mit Sprüngen auf 138,5 und 138 Meter auf dem fünften Platz. Constantin Schmid als 21., Pius Paschke auf Rang 24. und Markus Eisenbichler, der 26. wurde, holten ebenfalls noch Weltcup-Punkte. Richard Freitag schied nach dem ersten Durchgang aus. «Für uns ist es ganz wichtig, dass ein Deutscher oben steht», beschrieb Eisenbichler das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team nach seinem zweiten Sprung. «Am besten ganz oben.»