Es geht gerade alles ziemlich schnell. Ein Plan für die Teilzulassung von Zuschauern in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga steht bereits. Am 4. August stimmen die 36 Proficlubs über die Eckpunkte dieses Konzepts der Deutschen Fußball Liga (DFL) ab.

Einige Fans kritisieren es schon jetzt scharf, manche Vereine nennen dagegen schon konkrete Zuschauerzahlen. Es scheint nur noch um die Frage zu gehen: Wie viele Anhänger dürfen denn bald wieder in die einzelnen Stadien? Ob diese Frage sich demnächst überhaupt noch stellt, ist aber völlig unklar. Denn die Sorgen um einen Anstieg der Corona-Infektionszahlen nehmen aktuell wieder zu.

Die Entwicklung sei sehr beunruhigend, sagte Lothar Wieler, der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), erst am 28. Juli. Es gelte nun zu verhindern, dass sich das Virus wieder rasant und unkontrolliert ausbreitet. Menschen seien nachlässig geworden. Sollte sich dieser Trend bestätigen, dürfte sich die Politik in den nächsten Wochen auch darüber Gedanken machen, welches Signal eine Rückkehr von Zuschauern in die Fußball-Arenen aussenden würde. «Es wird auch in Stadien Übertragungen geben, das wird nicht zu verhindern sein. Um Infektionen komplett auszuschließen, müsste man Spiele mit Zuschauern weiter verbieten», sagt der Dresdner Virologe Alexander Dalpke.

Aktuell ist die Bundesregierung grundsätzlich offen für eine begrenzte Zulassung von Zuschauern. Wenn entsprechende Konzepte tragfähig seien, sei kein generelles Hemmnis dafür vorhanden, sagte ein Sprecher des für Sport zuständigen Innenministeriums in Berlin.

Natürlich kann sich die DFL nicht von theoretischen Entwicklungen in der Zukunft leiten lassen. Unabhängig davon hat sie stets betont, dass eine Zulassung von Zuschauern immer vom regionalen Infektionsgeschehen an den Bundesliga-Standorten abhängt. Der Virologe Dalpke jedenfalls begrüßte einige der angekündigten DFL-Maßnahmen, die bei der virtuellen Mitgliederversammlung am kommenden Dienstag zur Abstimmung stehen. Dazu zähle vor allem das angedachte Verbot von Stehplätzen und Alkohol in den Stadien bis zum 31. Oktober. Zudem sollen vorerst keine Gästefans zugelassen werden. Und beim Ticketverkauf müssten die Vereine dafür sorgen, dass Infektionsketten gegebenenfalls nachverfolgt werden können.

Protest gibt es schon jetzt. «Was mich unterschwellig stört, ist, dass die Fans als Risikofaktor gesehen werden, die sich nicht benehmen können», sagte Sig Zelt, Sprecher der Organisation «Pro Fans». Er sieht gerade das geplante Verbot von Gästefans kritisch. Die Fan-Organisation «Unsere Kurve» sorgt sich davor, dass etwa durch personalisierte Tickets ein Instrument der Überwachung «durch die Hintertür des Gesundheitsschutzes» eingeführt werden könnte. Und die Clubs? Die arbeiten parallel mit den Behörden vor Ort an regionalen Konzepten, in denen auch eine mögliche Zuschauerzahl definiert wird.

«Wir gehen in unserer Planung von einer Größe von 20 000 Zuschauern aus, wobei es je nach Auflagen auch 15 000 oder 24 000 werden können», kündigte Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann im «Kicker» bereits an. RB Leipzig hatte schon Anfang Juli ein Konzept mit Zuschauern entwickelt und auch die Genehmigung des Gesundheitsamtes vorliegen. Sollte sich die Pandemie-Lage positiv entwickeln, plant RB mit etwa 21.000 Zuschauern. Der BVB würde aktuell lediglich mit 12.000 bis 15.000 Zuschauern rechnen, Werder Bremen hofft auf 15.000 Besucher im Weserstadion. Viele andere Clubs halten sich bedeckt.

Der Virologe Dalpke sieht gerade auf die Politik eine schwierige Entscheidung zukommen. «Letztendlich ist es eine Risikoabwägung, die eher politisch als virologisch begründet sein kann. Rechtsgüter wie der Infektionsschutz des Einzelnen müssen gegen andere wichtige Dinge des gesellschaftlichen Zusammenlebens abgewogen werden. Sportgroßveranstaltungen spielen eine wichtige soziale Rolle.»

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