In Hannover klingt und riecht schon zwei Monate vor dem Saisonende alles nach Abstieg.

Im Sonntagspiel der Fußball-Bundesliga bot der Tabellenvorletzte gegen Eintracht Frankfurt zwar eine Halbzeit lang seine beste Leistung seit der Winterpause. Am Ende stand es aber auch so nach 90 Minuten 0:3 (0:0).

Die Spieler wirkten danach ratlos, der Trainer raffte sich immerhin zu ein paar Durchhalteparolen auf. «Das Gute ist, dass die anderen da unten auch verlieren. Es ist alles noch drin», sagte Thomas Doll.

Aber selbst die eigenen Fans sind in dieser vereinsintern so zerstrittenen Situation keine große Unterstützung mehr. Nach den beiden ersten Gegentoren wurde die eigene Mannschaft zeitweise verhöhnt. «Deutscher Meister wird nur der HSV», hallte es in Anspielung auf den vollständigen Vereinsnamen Hannoverscher SV von 1896 durch die Arena. Sogar die obligatorische Kritik an Vereinsboss Martin Kind und seinen Mitstreitern fiel noch drastischer aus als sonst in den vergangenen Monaten. «Kind, Krause & Schröder: Packt eure Koffer, sonst tun wir es für euch», stand auf einem Plakat.

In dieser teils hilflosen, teils aufgeheizten Atmosphäre hat Hannover im Abstiegskampf nun ein weiteres vermeintliches Endspiel: Am nächsten Sonntag geht es zum nur zwei Punkte besseren VfB Stuttgart, den man im Falle eines Sieges gegen Frankfurt vom Relegationsplatz verdrängt hätte. «Da müssen wir bestehen. Sonst sind wir wahrscheinlich schon weg», sagte Manager Horst Heldt. «Wenn Stuttgart gewinnt, sind sie schon fünf Punkte entfernt. Danach wäre es extrem schwer.» Nach diesem Wochenende muss man feststellen: Die aktuelle Form, die Qualität des Kaders, das Heimrecht gegen die auswärts seit 17 Monate sieglosen 96er - all das spricht eher für Stuttgart.

Für Eintracht Frankfurt trafen an diesem Sonntag Ante Rebic (54.), Luka Jovic (63.) und Filip Kostic (90.). Die sogenannte «Büffelherde», das herausragende Angriffstrio der Hessen, hat nun dank der 34 Tore von Jovic (15), Rebic (8) und Sebastien Haller (11) in dieser Saison annähernd doppelt so häufig getroffen wie das gesamte Team von Hannover 96 (20).

«Das war eine starke Reaktion meiner Mannschaft nach dem Donnerstagspiel in der Europa League. Hier so souverän zu gewinnen, war schon toll von uns», sagte Frankfurts Trainer Adi Hütter. Nationaltorwart Kevin Trapp betonte aber auch: «Das war einfach nur ein Pflichtsieg, den wir gebraucht haben. Man hat gesehen, dass Hannover komplett ohne Selbstvertrauen ist.»

Das hat auch jeder der 39.100 Zuschauer gesehen. Eine Halbzeit zeigte Hannover deutlich mehr Biss und Herz als in den vorangegangenen Wochen. Nach der Pause reichten aber zwei schwere Abwehrfehler vor den Toren zum 0:1 und 0:2, um jeden Widerstandsgeist zu brechen.

«Ein anderes Gesicht und eine andere Einstellung habe ich in der ersten Halbzeit gespürt», sagte Trainer Doll. «Aber wenn du unten stehst, darfst du dir nicht solche individuellen Fehler leisten. Das war zu einfach. Das bricht dir das Genick. Die, die wenigsten Fehler machen, bleiben in der Liga. Die anderen gehen duschen.»

Bezogen auf das wichtige Spiel in Stuttgart sagte er noch: «In schwierigen Situation musst du dich zeigen, da muss die Brust raus. Wir müssen jetzt weiter zusammenstehen und dürfen uns von außen nichts einsingen lassen.»