Rückkehrer Mats Hummels heizt den «Wettkampfgeist» an, Joachim Löw schürt als Chef bei der Trainings-Maloche in den Tiroler Alpen die Gier nach Siegen.

Und schon das erste EM-Testspiel der Nationalmannschaft gegen Dänemark soll zeigen: Anders als vor der blamablen WM 2018 sind Deutschlands beste Fußballer diesmal zu hundert Prozent auf eine schwere Mission eingeschworen.

«Wir wollen so spielen wie bei der Euro, mit der gleichen Intensität, wie das am 15. Juni der Fall sein soll», erklärte Hummels, der im Trainingslager in Seefeld erstmals nach mehr als zwei Jahren wieder als Nationalspieler auf dem DFB-Podium saß.

Hummels und Müller zurück

«Es war ein Ziel von mir, mich wieder hier reinzuarbeiten. Aus Ehrgeiz - und weil es auch eine Ehre für mich ist, für Deutschland zu spielen», sagte der 32 Jahre alte Abwehrspieler Hummels. Ihn holte Bundestrainer Löw wie den Münchner Thomas Müller nach der Verbannung 2019 für das paneuropäische Turnier in diesem Sommer wieder in den Kreis der A-Auswahl zurück. «Ich muss schon sagen, dass ich bei der Anreise ein bisschen aufgeregt war, ein gewisses Kribbeln verspürt habe», gestand der Dortmunder Routinier. Am Mittwoch (21.00 Uhr/RTL) in Innsbruck kann Hummels sein 71. Länderspiel bestreiten.

Während sieben der insgesamt 26 EM-Spieler die Standortbestimmung gegen EM-Teilnehmer Dänemark verpassen werden, sollen Hummels und Müller gleich das einbringen, was der Bundestrainer auch für die EM verlangt. Beide Routiniers sollen «den Ton angeben» und «mit ihrer Erfahrung und ihrem Können die Mannschaft weiterbringen».

Siegermentalität heißt neben Energie das bisher am meisten gebrauchte Wort während der Tage in Tirol. Bereits gegen die Dänen und dann bei der EM-Generalprobe am 7. Juni gegen Lettland möchte die Mannschaft die Qualitäts- und Mentalitätszweifel zumindest abschwächen, die sich nicht nur durch die Pleiten in Spanien (0:6) und in der WM-Quali gegen Nordmazedonien (1:2) aufgetürmt haben.

Warten auf ein Champions-League-Quartett

Die Champions-League-Sieger Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Timo Werner vom FC Chelsea können dabei zunächst wie auch Finalverlierer Ilkay Gündogan von Manchester City noch nicht helfen. Sie werden erst nach der Dänemark-Partie in Seefeld erwartet. Toni Kroos (31) ist nach seiner Corona-Erkrankung im Trainingscamp angekommen und wurde von der medizinischen Abteilung des DFB intensiv untersucht. Dann wird festgelegt, wie das Aufbauprogramm für den Real-Madrid-Star aussieht. «Man muss abwarten», sagte Löw-Assistent Andreas Köpke bei der täglichen Medienrunde. Auch die verletzten Bayern-Profis Leon Goretzka und Jamal Musiala sind noch nicht einsatzbereit.

Torwarttrainer Köpke verriet, dass Stammkeeper Manuel Neuer gegen die Dänen im Tor steht. Eine Einsatz-Entscheidung für die Lettland-Partie und eine Rangfolge der Torhüter hinter Neuer, der bis auf ein Spiel an den Club der Hunderter heranrückt, gibt es bislang noch nicht. Bernd Leno vom FC Arsenal und Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt sind in Tirol dabei. Stefan Ortega von Arminia Bielefeld ist als Torwart Nummer 4 «auf Abruf gestellt» worden, wie Köpke bestätigte.

Viel «Feuer» in den Trainingseinheiten

Der schwierige EM-Auftakt gegen Weltmeister Frankreich ist bei allen Protagonisten bereits in den Köpfen. «Wir wissen, dass wir insgesamt richtig Druck haben», sagte Köpke. Bei jeder Übungseinheit in Seefeld ist Feuer drin. «Es geht darum, in jedes Training, in jedes Spiel Leistungsbereitschaft und Wettkampfgeist reinzubringen», sagte Hummels. Löw belastet sein Personal hart und stachelt es mit vielen Wettbewerbsformen an. Die Lust aufs Siegen soll geschürt werden.

Die Stimmung im Team sei sehr gut, heben Spieler und Verantwortliche hervor. Die erfahrenen Rückkehrer wollen niemandem einen Platz oder eine Rolle wegnehmen, wie Hummels unterstrich. Letztlich aber wird sich erst in zwei Wochen zeigen, ob Löw bei seinem letzten Turnier als Bundestrainer tatsächlich eine Topmannschaft an den Start bringt. «Es wird unsere große Aufgabe sein, dass wir taktisch und individuell auf höchstem Niveau sind, um gegen die Topteams zu bestehen», sagte der erfahrene Hummels.

Der Bayern-Block, den der Dortmunder noch aus seiner Münchner Zeit bestens kennt, ist gewiss ein Plus. «Klar, jetzt spiele ich mit ein paar Spielern regelmäßiger zusammen. Dadurch kennt man noch besser die Automatismen», sagte Bayern-Offensivspieler Leroy Sané: «Aber im Endeffekt stehen nicht nur Bayern-Spieler auf dem Platz. Wir müssen alle zusammen funktionieren. Daher ist es gut, im Trainingslager die Automatismen einzustudieren.»

Die voraussichtliche Aufstellung gegen Dänemark

Neuer - Klostermann, Ginter, Hummels, Gosens - Can, Kimmich, Neuhaus - Sané, Müller, Gnabry

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